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Die Freistatt · 1914-06-30 · Heft 3 (30.6.1914) · p. 159

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 3 (30.6.1914)
Article
Freie Tribüne für zionistische Fragen
Date
1914-06-30
Page
159 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Freie Tribüne für zionistische Fragen 159 alle Möglichkeit der zensurfreien Aeußerung genommen und die Behandlung der großen gesamtnationalen Probleme und auch der innerzionistischen Angelegenheiten auf die Niederung flacher, kleinbürgerlicher Oesinnungsbravheit herabgedrückt, die — ein schlimmes Geschenk einer kleinen Umwelt an den Juden dieser Zeit — unserer geistigen Art drohend, ein Todfeind, entgegensteht, und gegen die der Kampf weit hinaus greifend über den Rahmen der einzelnen Partei unerbittlich zu führen ist, umfassend die ganze Breite der nationalen Bewegung, und immer gerichtet auf die große nationale Idee, die dieser Makel nicht weiter entstellen darf. — Wenig wäre, wenn nur wir die Dingt? so bewerteten. Da hat sich aber, auch dies innerhalb der zionistischen Bewegung, etwas weit Erfreulicheres gezeigt Es wächst hier ein junges Geschlecht auf, das furchtlos und ohne kränierisches Berechnen möglicher Konsequenzen Nein sagt zu dem bisher geübten Vergröbern der nationalen Angelegenheiten in Parteidinge, auch nicht mehr danach fragt oder sein Fragen spannt, was dabei für die Partei herauskomme, sondern, anders als dialektische Agitatoren, mit einem hoch über das Gegenwärtige zielenden Wollen sich dem jüdischen Problem nähern will, ihm neue Erkenntnisse abzuzwingen und, durch sie bereichert, an die Weiterbildung der eigenen zionistischen Ideologie heranzutreten. Das wieder stark im Jüdischen wurzelnde Ethos dieser gewiß noch Wenigen läßt heute bereits die Gewaltherrschaft des Wortes von der Parteidisziplin nicht mehr zu; denn viel zu deutlich nimmt es "die geistige Unzulänglichkeit und das Pseudo-Ethos niederer Zweckmäßigkeiten wahr, die sich furchtsam und unsicher dahinter lange Jahre bargen* Wenn sich die Schriftleitung der „Freistatt" wegen ihrer bisherigen Tätigkeit etwas ernstlich vorzuwerfen hat, dann ist es dies, daß sie auf jene wertvolle Strömung zu wenig Rücksicht nahm und an der gereizten Stimmung mitschuldig wurde, die bisher eine gemeinsame Verständigung oder auch nur die Beratung über die Angelegenheiten unseres Volkes genau so schwer möglich machte, wie etwa eine Fruchtbarmachung alljüdischer Kritik für den Zionismus oder die Aussprache über innerzionistische Angelegenheiten. Wir haben keine Scheu, diese längst und freiwillig erfolgte Preisgabe überflüssiger Schärfen hier ausdrücklich anzumerken, selbst auf Öie Gefahr hin hämischer Glossierung, D<er Versuch dieser „Tribüne" wird es zeigen, wie ernst es uns darum zu tun ist, die künstlichen Spannungen aus der zwischen uns und den Vertretern eines suchenden Zionismus lastenden Atmosphäre zu beseitigen. Die „freie Tribüne für zionistische Fragen" wird von einem aktiven deutschen Zionisten geleitet. Sie soll ständige Einrichtung der „Freistatt" werden und vielen

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