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Die Freistatt · 1914-05-28 · Heft 2 (28.5.1914) · p. 123

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 2 (28.5.1914)
Article
[Rezension]
Date
1914-05-28
Page
123 (sequence 2)
Language
German
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Bücherbesprechungen 123 Schwatz, von dem Hermann Blumen-* thal allein weiss, wo und wie jener ihn sich zusammensuchte. Das übrige Buch stellt auf dem Niveau des Vorwortes. Es mußte nicht notwendig so sein. In der jiddischen Prosa gibt es doch nicht nur schwach- Jiche Imitationen der Dichtungen von Allerwelt; es sind darin auch bedeutende Dinge, und ein geschickter Zusammenklauber hätte sie leicht aus der Folklore, aus den „Maaße'bü ehern, aus Mendale und aus dem Per ex der ciiassidischen Geschichten herausgefunden, Herr Landsberger war aber nicht einmal von dem Zufall eines glücklichen Instinktes bedacht Ohne Grundsatz, ohne Verständnis, lieblos hat er in das Buch die ungleichwertigsten Dinge wie irgend ein Futter durcheinandergeschüttet — die Nichtse überwiegen; daß ihm von einigen tüchtigeren Novellen Übersetzungen in deutscher Sprache bereits vorlagen, dafür ist ja nicht er zu loben. So weiß ich hier eines nur anzuerkennen: Zeichnungen eines mir Unbekannten, F. Feigls; einige halten in den Gesten alter Männer und Weiber typisch Ostjüdisches ohne alle literarisch-sentimentale Anwandlung fest; nicht gerade es heroisierend, aber doch rein zeichnerisch und mit viel Fähigkeit für Konzentration auf anscheinend Banales und Nebensächliches es steigernd. Es war ein Mißgriff, daß der Verlag diesen Zeichner notwendiger Bilder sich um solches Sudlium bemühen ließ Ein Mißgriff war dieses ganze Buch — auch Kainers kreischendes Plakat als Titel. Und in aller Entrüstung — denn ohne Scham ist hier ein bedeutungsvolles Unternehmen entwertet worden — wird man das Erstaunen nicht los, daß sich ein sonst respektabler Verlag dabei mitschuldig machte. Er ist ein deutscher Verlag, und von der Verpflichtung, das was von ihm als wertvoll Ostjüdisches verlegt wurde, vom Schund zu säubern, kann ich ihn allenfalls entbinden — er mag sich dazu nicht für kompetent gehalten haben. Nicht zu verzeihen ist Ihm aber, daß er an dem leeren Gefasel der Vorrede nicht stutzig wurde, und derartiges mit seinem Namen deckte. Er hat damit auch gegen den deutschen Geist gesündigt. v. m. K. Nachum Goldmann: Erez Israel, Reisebriefe aus Palästina. Verlag J. Kaufmann, Frankfurt a. M. Preis geheftet Mk. 2.50. Nachum Goldmann, ein junger Zionist, hat im vorigen Jahre wenige Mo* nate in Palästina zugebracht und dort für das ihm nahestehende „Frankfurter Israelitische Familienblatt' Reisebriefe geschrieben. Man hat diese Briefe für so wertvoll gehalten, daß man ihren Satz aufgehoben und daraus ein Buch gemacht hat, welches nun in sehr unhandlicher Form vorliegt. Brauchte man auch die wöchentlich erscheinenden Briefe nicht zu beachten, so muß man doch jetzt Stellung zu dem Buche nehmen. In einem sehr flüchtigen Stil (es galt pünktlich allwöchentlich mehrere Spalten zu füllen), berichtet Goldmann über Alles und Jedes, und doch wirkt dieses Buch so inhaltslos, wie selten eines. Vom rein künstlerischen Standpunkte ist es nicht zu bewerten, denn es ist zu sehr Produkt des Augenblicks; auch die Tendenz ist zu dick aufgetragen. Der ernste Forscher kann ebenfalls nichts mit dem Werke anfangen Es fehlt das Tatsächliche. Und die Probleme werden nun doch gar zu leichtfertig abgetan. Behauptungen ohne jede Grundlagen haben wenig Beweiskraft Einen subjektiven Reiz hat das Buch gleichfalls nicht, denn Goldmanns Ansichten über Palästina werden wohl nirgends auf besonderes Interesse stoßen. Ich bedaure, daß ein Verlag, wie der von J. Kauffman, es für gut hielt, diese für den flüchtigen Tag bestimmten Reisebriefe der Nachwelt zu erhalten- _. — m — Heinrich Heines Briefwechsel, Herausgegeben von Friedrich Hirth. I. Bd. 1914. 644 S.f gebd. Mk. 7,50. Georg Müller, Verlag, München u. Berlin. Ich behalte mir eine ausführliche Würdigung dieses ausgezeichneten Werkes, dessen erster Band in^ehr schöner Ausstattung mit vielen Bildbeigaben und Faksimiles soeben erschienen ist, vor, will aber schon heute mit Nachdruck auf dieses Buch hinweisen und auf seinen Herausgeber, Friedrich Hirth, der Gustav Karpeles' Lebenswerk mit großer Sachkenntnis und viel Geschick fortführte, j. i).

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