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Die Freistatt · 1914-05-28 · Heft 2 (28.5.1914) · p. 122

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 2 (28.5.1914)
Article
[Rezension]
Date
1914-05-28
Page
122 (sequence 2)
Language
German
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122 Bücherbesprechungen ner; sie alle wurden ihnen lebendiger, eigenen Art sahen, und so auch in dem Zugerichteten den literarischen Garaus Recken Saul, dem edlen Jonathan, dem zu machen—wir würden der jüngsten verzärtelten Absalon, dem treuen Ab- Probe dieser vom Literarischen nur die Konjunktur des Büchermarktes, sie aber als sie den bereits in talmudischer merkwürdig geschickt verstehenden Ge¬ Scholastik versunkenen Juden waren schäftigkeit kaum mehr auf jüdischem und diesen sein konnten, seit die nor- Boden begegnet sein. So aber ist ein dischen Elemente in ihnen von asiagewaltiges und notwendiges Vorhaben tischen und afrikanischen überwuchert —notwendig allein schon im Hinblick worden waren. Die ältesten hebräischen auf Westeuropas Unkenntnis alles eigen- Dichtungen, die alle noch aus der Königartigen und produktiven Judentums der zeit stammen, sind Ausdruck der Ras- Diaspora—auf Jahre hinaus diskreditiert se, die damals in Palästina die Herrworden. Denn wenn heute jemand schaff hatte, und das war nach der kommt, ein könnender und ernster Nachricht über David—die nordische Mensch, in diesen westeuropäischen Rasse.* An Phantasie fehlt es offen- Kulturkreis als unübersehbare Manibar Herrn Hauser nicht; schade nur, festation eine Auswahl der bedeutdass er diese edle Himmelsgabe zu sanieren und wesentlichen literarischen Attentaten auf die Wissenschaft miß- Denkmäler mittelalterlicher und mobraucht. Paul Mayer. Oskar Baum, Die böse Unschuld. t Eine böhmiche Kleinstadt, mit der bekannten ungezwungenen, aber drückenden Atmosphäre. Die Tragikomödiie eines hysterischen, frühalten Kindes des jüdischen Tief-Standes, das sich ohne halb zureichenden Mutter fühlt, ist orginell, aber eine schwache Grundderner Diaspora, wahrhaft ein Ghettobuch, hineinzustellen, überall wird er die höhnischen Vorurteile gegen sich haben, die läge für Roman - Psychiologie. Das Resultat ist eine lange Novelle, Frisch und lebendig klingt als Oberton die verliebte Stimmung zweier Reifenden. Der Dichter hat Empfinden und vor allem Stil. F. A. M« Das Ghettobuch, die schönsten Geschichten aus dem Ghetto, herausgegeben von Artur Landsberger, Verlag Georg Müller 1914. dieses leichtfertige Sammelsurium notwendig auslösen muss. Da gibt es ein Vorwort, aus dem allerseiten die Unwahrhaftigkeit eines Journalisten schwatzt, der sich bewusst war, von ostjüdischer Literatur kaum mehr zu begreifea als von der eines innerafrikanischen Niggerstammes, sich aber Geschick genug zutraut, sein Garnichtskönnen hinter Gerede zu verbergen, das wissend tut und es auf den alles verzeihenden und schluckenden Unverstand desdeutschen Spiessers abgesehen hat. Zahlreich ist die Zahl junger (!) Talente, die sich regen, und teils schon Wertvolles geleistet haben, teils zu schönen Hoffnungen berechtigen. So Steinberg und Onauchi, Nomberg und Weissenberg, die viel versprechenden Hermann Menkes, M Scherlag, D* Rothblum sowie die hebräischen Schrift- Schon nicht ei nmal hat Herr Artur steller Berdyczewski und Feierberg. Landsberger denen allen, die anders als er und mehr als literaturgesehäftden Lebenden * Letzterer ist leider nicht mehr unter lieh sich jüdischen Dingen aus persön- Noch nichtssagender als dieses Gelicher und innerer Nötigung nähern, schreibsei ist das übliche Vorwort neun zu scharfer und ihn unbarmherzig Seiten lang Aneinanderreihung für die züchtigender Verurteilung Anlass ge- Provinz bestimmter Banalitäten (das geben. Man erinnert sich noch seiner Brüderpaar Zangwill—Heinz Hans Evers, letzten Affäre: hätte da Segel, durch Reinhardt, Poritzky, Ost und West) die gehässige Art, wie er wiederum und stereotyp, aber redselig eükettiersich gegen den Zusammenraffer ter Autorennamen — Lückenbüsser für seiner Sprichwörter verging nicht Landsbergers totale Unfähigkeit, literaandere davon abgestossen, dem übel rische Dinge zu charakterisieren;

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