Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 2 (28.5.1914)
- Article
- Frühling
- Date
- 1914-05-28
- Page
- 119 (sequence 1)
- Language
- German
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Verse von Rudolf Fuchs 119 Rudolf Fuchs Frühling Aus den Narben dieser wunden Erde brach der Blütenschauer weiß hervor. Keine Wolke macht dem Strahl Beschwerde, Nur mein Schatten auf dem Rasen fror. Schattenfuß und -hand laßt nicht von grünem Land, Schattenstirn und Schattenhaar wallt und wandelt wunderbar, ohn End und Ziel umkränzt von Welt, der mein heißer Tropfen auf die Halme fällt, weil über leuchtenden Sand der Verwirrte den Heimweg fand, weil das Auge an seinem Abgrund stand. Und ich durchströme . . . Und wieder Glut und überblaute Heide. Graswellen rauschen vor geheimem Fluß. (Wohin ist Patschuli und violette Seide?) Von naher Halde torkelt dumpf ein Schuß — Und wieder scheints, als wäre nichts gestört. Doch meines Blutes Sturm ist nicht zu halten. Die Pulse rasen Aufruhr unerhört, und ich durchströme vorige Gestalten. Hör, Wanderer! Ich bin der weiße Föhn, wild lasse ich mich in die Täler fallen, und morgen spürst du mich, ein schüchtern Wallen von Duft, wohl über Gräber gehn. Wenn dich nicht gar um des Rialtos Mitte die leise Welle meiner Flut bespült. Ein gelbes Feld verleg ich dir die Schritte^, und bin Gesang und werde tief gefühlt. Und also stand ich einst bei Labans Zaun am Tage vor dem Abend fremder Weise. Die wilden Knechte tanzten tolle Kreise und waren schrecklich anzuschaun.