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Die Freistatt · 1914-05-28 · Heft 2 (28.5.1914) · p. 107

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 2 (28.5.1914)
Article
Ökonomische Übersicht
Date
1914-05-28
Page
107 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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Ben Mordechai, Oekonomische Uebersicht 107 Man sieht also auch hier, daß die Ernte bei den Juden besser ist als bei den Bauern. Bloß die reichen Gruppen, die durchschnittlich mehr Grund und Boden, sowie eine größere Wirtschaft besitzen und daher die Möglichkeit haben, eine bessere landwirtschaftliche Technik einzuführen, erzielen größere Ernten s die Juden. Uebrigens ist deren Gerstenernte großer als iie der Kosaken, trotzdem diese mehr Boden haben. Gewiß könnte man auch in der jetzigen Wirtschaft der jüdischen Kolonien vieles verbessern, eines aber muß man zugeben: Man hat kein Recht, über den jüdischen Kolonisten zu klagen. Unter den bodenbestellenden Massen der Völker, die Südrußland bei wohnen, nimmt er nicht die letzte Stelle ein. Noch etwas zeichnet das jüdische Dorf aus — und wieder zu seinen Gunsten. Das ist die große Rolle, welche die nichtandwirtschaftlichen Berufe im ökonomischen Leben der jüdischen Kolonie spielen. Nach der Untersuchung der ICA hatten über die Hälfte (53 Proz.) Kolonisten im Jekaterinosslawer Gouvernement bedeutende und 17 Proz. unbedeutende Einnahmen von nichtlandwirtschaftlichen Berufen, zusammen also 70 Prozent Bloß 30 Prozent der Kolonisten hatten keinen Nebenverdienst.*) Ein so großer Prozentsatz solcher, die ein Nebeneinkommen haben, ist nicht bloß im russischen Dorf, sondern sogar in den viel entwickelteren und unternehmungslustigeren deutschere Kolonien unbekannt. Von dem „Auf-dem-Ofen-Liegen", das für das russische Dorf im, Winter so charakteristisch ist, weiß der jüdische Kolonist gjar nichts. In der stillen Zeit, wenn die Felde* von hohem Schnee bedeckt sind, trifft man die ^uden auf den Wegen zu den Nachbardörfern, wo sie Handel treiben, die Bauern mit Kleidung versorgen, das Inventar ausbessern oder andere ökonomische! Funktionen im Dorfleben erfüllen. Dank der Arbeitsfähigkeit und der Bemühungen des jüdischen Kolonister ist die materielle Lage der jüdischen Kolonien im allgemeinen besser als die d|er russischen Dörfer, und das durchschnittliche Budget des jüdischen Kolonisten ist größer als das Budget der benachbarten Bauern. Im Hinblick -au!f Unternehmungsgeist und Anstrengung nehmen die Juden den ersten und angesehensten Platz unter der vielsprachigen landwirtschaftlichen Bevölkerung Südrußlands ein und können ihren nichtjüdischen Nachbarn darin ein Muster sein* (Aus dem jiddischen Manuskript übersetzt.) 4. *) ibid. p. 62.

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