Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 2 (28.5.1914)
- Article
- Ein Gruß aus dem Osten dem Ritter des Ostjudentums
- Date
- 1914-05-28
- Page
- 77 (sequence 2)
- Language
- German
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Ueber Birnbaum 77 tind betäuben sich damit die Schmerzen, die sie in der russischrumänischen Hölle befallen. In Jordanwasser getauchte Kompressen legen sie sich um, die verzehrende Glut zu lindern. „Ich aber kann ihnen nicht folgen: kann das großfe Volk nicht um einen seiner Teile lassen. Zu teuer sind mir jene ungeheuren Massen, die im, Golus jüdisch leben wollen und an das Wunder eines neuen Exodus nicht glauben mögen," So kam er zu uns aus dem Westen, sprechend: „Sie lassen es sich genügen an einem Tropfen; ich aber verlange nach dem Meen Sie sind bereits satt, als hätten sie den goldenen Schlüssel für das jüdische Problem,; ich aber gehe forschend auf dem Wege, auf dem hundert Generationen vor mir gesucht haben, auf dem» Wege, der zu ganzen Lösungen führt, zu dem Streben nach einer autonomen Kultur, zu den ewigen Kämpfen für reine Kulturnationalität und für den Zusammenschluß zur überterritorialen alljüdischen Gemeinschaft," Um dieses ist er uns teuer geworden und lieb, der rastlos Suchende, der unter den Tanaiten lebte und ein „Acher" geworden ist — denn er trägt in seiner Seele das Weh und die Sehnsucht aller jüdischen Generationen; in ihm ist der tiefe Sinn jüdischen Wesens Gestalt geworden, und die Ideale des ewigen Volkes, das an seine Ewigkeit glaubt, haben in ihm ihren Neuformer. Ich denke an die Zeit vor etwa 25, 30 Jahren. Damals gab der junge Birnbaum steine „Selbstemanzipation" heraus und prägte Erez Isroel als Losungswort. Zur selben Zeit ließ ein anderer junger Schriftsteller in Petersburg seine „Selbstemanzipation" drucken. Der aber rief den Osten nach dem Westen, zu den Idealen einer Religionsreform, wie die deutschen Juden sie einst zu verwirklichen suchten, und von denen er wollte, daß auch die Ostjuden ihnen nachstreben sollten, wenn auch in eigenartigerer Weise als jene, — — — Zehn Jahre verstrichen. Von den beiden jungen Männern, die einander nicht kannten, und diie in verschiedenen Sprachen schriben, kehrte der eine dem Zionismus, der andere dem Reformjudentum den Rücken. Sie gingen auf die Suche: und beide trafen sich auf einem Weg, der von Westen nach Osten führt. Der im Westen Geborene fand auf die ewige Frage im nahen europäischen Osten, in den großen nationalen Reservoiren Rußlands eine Antwort. Der Ostjude blieb auf halbem Wege nach dem Westen stehen und suchte die historische Synthese des Judentums in seiner eigenen Nähe. Der Kampf für den jüdischen Kulturnationalismus und die jüdische Autonomie überall in der unendlichen Weltdiaspora, das Ringen für die1 Idee von der Einheit der jüdischen Nation,