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Die Freistatt · 1914-04-30 · Heft 1 (30.4.1914) · p. 57

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 1 (30.4.1914)
Article
[Rezension]
Date
1914-04-30
Page
57 (sequence 3)
Language
German
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Bücherbesprechungen 57 es nicht, mapche schwere Bedenken gegen den in dem Werke verfochtenen Standpunkt ganz zu unterdrücken. Diese Verlegung des begrifflichen Moments in die Sphäre der Verschwommenheit schien uns mit dem Wesen des Begriffes schlecht zu harmonieren, da die begriffliche Vorstellung gerade durch die präzise Gliederung und die genaue Unterscheidbarkeit ihrer einzelnen Bestandteile sich vor der gewöhnlichen, anschaulichen auszeichnet Bilde ich einmal den Begriff einer Rose, so mag diese Vorstellung unvergleichlich ärmer an malerischen Einzelheiten, als die gewöhnliche, anschauliche Vorstellung der Rose sein, immerhin aber kann ich die in den Begriff eingegangeneu Merkmale in ganz bestimmter Weise voneinander unterscheiden, was mit der anschaulichen Vorstellung nicht der Fall ist In dem Begriff der Rose unterscheide ich klar Farbe, Duft und Glätte 4er Blätter voneinander, während die Wahrnehmung Rose mir zwar eine lebendige Fülle von Einzelheiten bietet, die aber alle mir auf einmal gegeben werden und gesondert voneinander nicht auftreten Gerade der Umstand, daß beim Bilden des Begriffes Rose, das konkrete Bild der Rose in seiner vollen Unmittelbarkeit meinem Bewußtsein entrückt ist, gerade dies veran'aßt mich, an gewisse fixe Punkte anzuknüpfen und sie zum Gegenstand meiner besonderen Aufmerksamkeit zu machen. Ich muß mich an gewisse präzise Merkmale, wie Duft, Farbe, Glätte halten, da mir sonst der Boden unter den Füßen schwände. Der Form nach unterscheidet sich der gewöhnliche Begriff von dem wissenschaftlichen nicht im geringsten. Hier wie dort herrscht präzise Gliederung und genaue Unterscheidbarkeit der einzelnen Merkmale, hier wie dort handelt es sich also um „Konzentrattonszentren" der Aufmerksamkeit Der Unterschied besteht blos darin, daß der gewöhnliche Begriff zufälliger und -subjektiver Natur ist, indem jeder solche JVlerkmale zu einem Begriffe verknüpft, die ihm besonders auffallen und aus irgend welchem Grunde seine Aufmerksamkeit auf sich lenken, während die wissenschaftliche Begriffsbildung dahin tendiert, nur solche Elemente in den Begriff aufzunehmen, die eine wirklich objektive Bedeutung besitzen. Daß der Begriff aus einem festen Kerne A mit einer mehr und minder verschwimmenden Umrahmung X bestehe — darin erklären wir uns mit dem Verfasser einverstanden, nur möchten wir, im Gegensatz zu ihm, das Moment des Begrifflichen nicht in das verschwimmende X, sondern in das feste A verlegt wissen. Dr. R. Seiigmann. Berthold Viertel; Die Spur (Gedichte). Verlag von Kurt Wolff, Leipzig 1913. Preis geh. Mk 0.80, geb. Mk 150. Man möchte fast sagen: diese Verse sind Landschaft geworden mitten im keuchenden Gewühl der großen Stadt. — Sanft fließen sie dahin, gedenken Traum und Kindheit, Heimat und Schulstunde, mit einer Sehnsucht, die in bangen Akkorden ausklingt Aber nicht nur Vergangenem weiß Viertel in schöner Erinnerung und in edler Melancholie nachzusinnen. Er ist Zeitgenosse und kennt die fauchende Stimme der Maschinen, kennt das drohende Antlitz der bis in den Himmel hineinragenden Schlote, und auch ihm ist die Großstadt mit ihren saugenden Polypenarmen blutendes Geschick geworden — Und etwas widerwillig zwar, aber mit der wachen Hand eines Wissenden, dem alle Nähe und alle Ferne sich auftut, sucht er da seine Spuren einzusäen. Manches in diesem Bändchen ist schon deutlich gezeichneter Weg, und man freut sich, wenn die Verheißung schon hier und da Erfüllung wird. — Beatus. Avigdor Feuerstein: Gedichte (hebräisch). I. Band Hauptvertrieb bei Josef Schlesinger, Budapest und Wien. Diese Verse kündigen sich allzulaut an Mit wirrem Wortgeprassel regnen sie herab, klirren mjd klimpern wie der taube Klang von Holzsäbeln — Zionismus wird gepredigt, Individualismus, Leben und alles mit talmudischer Pilpulistik und in einer Sprache, die an schiechte Leitartikel und an die „Aufin-deu-Kampf-Poesie* von anno dazumal gernahnt. Wendungen wie: „ich

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