Mannheim
Compact Memory

Die Freistatt · 1914-04-30 · Heft 1 (30.4.1914) · p. 36

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 1 (30.4.1914)
Article
So abboniert man bei uns.
Date
1914-04-30
Page
36 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3119801-3119814-3119815-3121627--1382-3121715
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

36 Dr. Ch, Katzenelson, So abonniert man bei uns erhalten, die anderen, weil sie mit den Ausgaben sparen können, und solche endlich, die durch einen Aufruf an die Wohltäter des Volkes ihre Defizite decken. Aber es ist nicht jedem bekannt, w i e unsere Zeitungen die paar Abonnenten zusammenschleppen und auf welche Weise um sie geworben wird. Und dieses Geheimnis will ich lüften. Gering ist die Zahl der Abonnenten, die unsere Zeitungen in der einfachen Form bestellen, wie man sich ihrer bei jedem Volke und in jeder Sprache bedient, nämlich: die Abonnementsgebühr durch die Post direkt an die Administration zu schicken oder dieselbe dem Zeitungsverschleißer zu übergeben, damit er ihnen die gewünschte Zeitung abonniere. Deren gibt es aber sehr wenige, und der Rest — die große Mehrheit dieser kleinen Abonnentenzahl pflegt in ganz anderer Weise zu abonnieren. Ich sagte: „pflegt zu abonnieren" — und das ist nicht der richtige Ausdruck dafür. Sie selbst pflegen gar nicht zu abonnieren und wollen es vielleicht auch ganz und gar nicht, sondern sie werden ohne ihr Wissen abonniert. Andere machen sie zu Abonnenten. Und wie geschieht dies? Es gibt in jeder Stadt einen oder mehrere Menschen, die abgesehen von verschiedenen Partei- oder Privatinteressen, die ihnen obliegen, noch zu dieser Arbeit gezwungen werden, die hebräische Literatur zu verbreiten, natürlich ohne jedwede Belohnung. An diese wenden sich die meisten Herausgeber unserer Zeitungen unter Bitten und Flehen Abonnenten für ihre Zeitungen zu sammeln, und jeder Einzelne läßt sein Geheimnis laut werden, daß die Zahl der Abonnenten von Tag zu Tag geringer, und daß die Zeitung unter solchen Bedingungen nicht weiter werde bestehen können, und endlich, daß „Ihro Gnaden" verpflichtet seien, die Zeitung zu fördern, damit sie nicht ins Reich der; Toten hinüberwandere usw. Kurz: Gib mir Abonnenten an, sonst . . ♦ . Und diese Männer, die über die traurigen Zustände in unserer Literatur betrübt sind, wollen dem Abhilfe schaffen, umgürten ihre Lenden wie Helden und ziehen auf Jagd aus, mit anderen Worten: auf den Abonnentenfang. Aber gleich im ersten Momente schon wird dem „Jäger" klar, daß diese Arbeit weder reinlich noch leicht ist. Der erste entläßt ihn mit der Antwort, er habe bereits durch einen anderen abonniert — überzeuge dich; ,der zweite versichert, er werde bestimmt abonnieren — sei dessen sicher; der dritte wieder kann mit der Tendenz der ihm vorgeschlagenen Zeitung „nicht übereinstimmen", und der vierte hat überhaupt keine Stunde zum Lesen frei. Der eine ist nie zu Hause zu finden, der andere ist tagsüber mit wich-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.