Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 1 (30.4.1914)
- Article
- Der Wahlrechtsraub in Galizien
- Date
- 1914-04-30
- Page
- 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 Bai Dimien, Der Hebraismus und die Reaktion Ruthenen sich geeinigt haben.*) Das sind im großen und ganzen die wichtigsten Resultate der Wahlreform für die Juden Galiziens. Ueberaus traurige Resultate. Wo sind die tieferen Ursachen derselben zu suchen? (Schluß folgt.) Der Hebraismus und die Reaktion Von Bai Dimien Geraume Zeit bereits, seit der vorjährigen Beratung der Chewro mfizej haskolo, tobt und schimpft es in der hebräischen Presse gegen den verhaßten „Jargon". Als seien ihre Betreiber von einer Psychose befallen, so mutet einen diese Hetze an* — Bekanntlich wurde auf jener Petersburger Tagung der elementarpädagogische Beschluß gefaßt, daß in der russisch-jüdischen Schule nicht in fremden Sprachen, auf Russisch, Polnisch oder Ukrainisch etwa, sondern auf Jiddisch der Unterricht zu führen sei. Durch diese Anerkennung des „Jargon" fühlen sich unsere Hebraisten in ihren nationalsten Gefühlen gekränkt, und sie führen darum schon an die 3 Monate mit den verwerflichsten und lichtscheuesten Mitteln den heiligen Kampf gegen die Volkssprache. Das aber tun dieselben Herren, die vor kurzem gegen den Hilfsverein mit der Losung „ . . . für die Muttersprache" (hier war das natürlich die hebräische!) die jüdische Gesamtheit mobilisieren wollten, Soll man mehr staunen über ihre Prinzipienlosigkeit oder über das Geschick in doppelter und verschleiernder Buchführung, das in ihrer jüngsten Kampagne gegen das Jiddische wahrzunehmen ist? , . . Wir in Rußland haben diesen Kämpen eines ohrzerreißenden, knarrenden Hebräisch bisher kaum geantwortet. Wer kein Verständnis dafür hat, daß die Muttersprache des jüdischen Kindes, Jiddisch also, uns das einzige sichere Mittel ist zu seiner Erziehung und Entwicklung als Mensch und Jude, der ist entweder ein heilloser Phantast, der nie aus seinen Träumen auf- * Als unmittelbare Folge unserer Katastergemeinsamkeit mit den Polen ist noch die nicht zu unterschätzende Tatsache der Unmöglichkeit eines ruthenischjüdischen Wahlbündnisses zu nennen. Bekanntlich verdankte der jüdische Klub im ersten Parlament des allgemeinen Wahlrechts einem solchen Bündnis seine Existenz,