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Die Freistatt · 1914-02-20 · Heft 11 (20.2.1914) · p. Seite 664

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 11 (20.2.1914)
Article
Leksikon fyn der jide͏̈sher literatur yn prese͏̈ [Rezension]
Date
1914-02-20
Page
Seite 664 (sequence 2)
Language
German
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Vom jüdischen Leben und Schaffen 663 erwägenswert scheinen, ob man das Lexikon nicht hätte in zwei Teile zerlegen sollen, und zwar durch eine chronologische Grenze, die entweder bei den Anfängen der modernen Literatur oder bei den lebenden Autoren zu ziehen gewesen wäre. Dadurch wäre wenigstens der eine Teil von jener Subjektivität und unrichtigen Perspektive des Urteils frei gewesen, die ja bei der Darstellung der Gegenwart unvermeidlich ist. Diese Subjektivität tritt hier noch stärker hervor, da die Artikel über die Heutigen größtenteils auf autobiographischen Mitteilungen beruhen, was übrigens zu sehr interessanten Beobachtungen über die geistigen Strömungen der gegenwärtigen Generationen Anlaß gibt Bei einer späteren Auflage, bei der auch mancherlei Irrtümer berichtigt werden müßten, könnten viele di minorum gentium, wirklich herzlich unwichtige Journalisten u. dergl, deren man ja sonst noch viel mehr zu bringen hätte, wegbleiben. Das Buch enthält außer dem Personenlexikon noch ein Verzeichnis aller jüdischen Periodika von 1686 bis 1913, sowie eine Liste der anonymen Werke, meist der älteren Literatur. -s- Vom jüdischen Leben und Schaffen Jüdisches Parlament In jüdischen Blättern Rußlands taucht plötzlich die Nachricht auf, daß in Brüssel eine geheime Beratung der hervorragendsten jüdischen Notabilitäten stattfindet, die der Schaffung eines jüdischen Parlamentes, d. h. einer Institution gilt, welche berufen sein soll, den Willen des jüdischen Volkes zu bilden, darzustellen und zu verwirklichen. Die Idee eines jüdischen Parlaments ist nicht neu. Sie wurde schon vor längerer Zeit in England und Amerika ausgesprochen. Nach den großen Progromen 1905 und 1906 habe ich sie, allerdings mit vorläufiger Beschränkung auf diese traurigen Anlässe, vertreten. 1908 habe ich sie in Amerika gepredigt Im Jahre 1912 habe ich sie in der Zeitschrift „Ost und West* verfochten und bald darauf im „Nowyj Woßchod1* des genaueren erläutert- Aber ich kann nicht sagen, daß sie in dieser ganzen Zeit besonderen Sympathien begegnet wäre. Einige Territorialisten waren mit einer gewissen Kühle dafür. Von den Zionisten interessierten sich so manche, aber die Konkurrenzfurcht gab den Ausschlag. Den azionistischen Nationalisten war die Sache zu wenig entwicklungsmäßig und realistisch. Für die jüdischen Sozialisten sowohl unjüdischer als jüdischer Observanz war sie von vornherein erledigt Die Massen erfuhren kaum von ihr. Die assimilatorische Intelligenz und Großbourgeoisie lehnte mit staatsmännischem Lächeln ab. Ihr so etwas nur zuzumuten! Und nun geschieht das Merkwürdige Gerade diese letzte Schichte, aus der sich die großen „Versorgera-Persönlichkeiten und -Institutionen rekrutieren, soll nun plötzlich wollen. Hat sie der Prozeß Beilis endlich doch beten gelehrt? Oder folgt sie einfach dem Zuge und Zwange der Zeit, den Ehrgeiz immer mehr und mehr in judaicis zu befriedigen? Oder wirkt beides zusammen? Wer kann es wissen? Jedenfalls ist es gleichgiltig. Genug an dem, daß — woran sicherlich nicht mehr gezweifelt werden kann — der Gedanke eines jüdischen Parlamentes für sie diskussionsfähig geworden ist Und genug an dem, daß er nun gerade unter ihrer Aegide in die Welt der Wirklichkeit treten soll. Denn das scheint mir, offen gesagt, kein verheißungsvoller Anfang zu sein. Ich fürchte, daß bei dem Beginnen aller dieser Persönlichkeiten — die sich vorläufig noch nicht nennen, für die

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