Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 10 (20.1.1914)
- Article
- Cukunft Zamlbych, nvm. 1 [Rezension]
- Date
- 1914-01-20
- Page
- Seite 605 (sequence 2)
- Language
- German
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604 Vom jüdischen Leben und Schaffen ^HaHHHS^HaMM^^^^^^^^^MHMHMaMMMMai^M»HWaBB^^^^^WH^^HHM4^H^HMriB^HI^Ba«MM war, daß sie nach so langem Schweigen nur eine so inhaltslose Broschüre geben konnte. Dieser Inhaltslosigkeit ungeachtet, hat sie doch eine sympathische Bedeutung und ich muß gestehen, daß sie mir große Freude machte. Vor allem erkennt man eine Änderung in der Stellung zur Forderung nach nationaler Autonomie, Die Idee der national-kulturellen jüdischen Autonomie scheint — wenn auch vorläufig nur in geringem Maße — in die Reihen der geschworenen jüdischen Klageweiber zu dringen und sie den jüdischen Autonomisten näherzubringen. Man merkt auch eine Umwertung der tetritorialistischen Werte, sieht, wie man sich von der itoistischen Landsuche entfernt. Der Artikel „Landsuche" endet mit den Worten: „Von der Landsuche zur Volkssuche!" Für diesen Weg wünschen wir ihnen aus vollstem Herzen Erfolg. Wir hoffen, daß sie die Verbindung mit dem Volke von ihrer bisherigen sozial-nationalen Melancholie heilen wird. B. R. Vom jüdischen Leben und Schaffen Ein Fest und ein Sieg In Petersburg fanden soeben zwei Veranstaltungen statt, die gewiß Anspruch auf allgemeine Beachtung erheben dürfen Es sind dies der allrussische Bildungskongreß und die Jubiläumsversammlung der „Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den Juden*, die gewöhnlich kurz mit ihrem hebräischen Namen als „Mefizej haskolo* („Verbreiter der Bildung") bezeichnet wird Der Kongreß, der von mehr als dreitausend Teilnehmern besucht war, sprach sich mit allen gegen zwei Stimmen wider die Ausnahmegesetze, die auf den Gebieten des Unterrichts und des Wohnrechts für die Judenschaft gelten, und gegen die antisemitischen Erscheinungen in der Schule aus. Wenn wir bedenken, daß sich unter den tausenden Delegierten nur fünfzehn Juden befanden, denen es erst nach vieler Mühe gelungen ist, die Regierungserlaubnis eines Aufenthalts in Petersburg zu erwirken, so haben wir gewiß alle Ursache, mit diesem Abstimmungsresultat zufrieden zu sein. Und doch» seine besondere Bedeutung erhält es erst im Zusammenhang mit einem anderen Ereignisse auf dem Kongreß, mit dem stürmischen Beifall, den die tausende nichtjüdischen Lehrer einem jüdischen Redner, Herrn Fialkow, zollten, der nicht nur die Aufhebung der Beschränkungen, sondern aucii die s t a a 11 ic h e, jüdische Volksschule forderte (Das jüdische Volk — sagte der Redner — lebt seine besondere Art des Lebens, hat seine besonderen religiösen Bräuche und benötigt daher eine besondere jüdische Volksschule, die den Erfordernissen und Bedürfnissen der breiten jüdischen Massen entspricht.) Nun sind wir freilich nichts mehr als von unseren Beratern in naiver Ignoranz belassene jüdische Westler und könnten demnach versucht sein, uns von Herrn Fialkow nicht imponieren zu lassen: Bah, irgend ein Querkopf, der es leicht hat, russischen Lehrern was vorzureden. . Wenn nicht eben die zweite Versammlung wäre — die Tagung der „Mefizej haskolo* anläßlich ihrer fünfzigjährigen Wirksamkeit — die ihn uns in Übereinstimmung mit dem lebendigen Volke, als Glied einer mächtigen Bewegung zeigt. Den ersten „Mefizej haskolo* schwebten nichts weniger als völkische Ziele vor. Sie faßten ihre Aufgabe in der nationalistischen Weise ihrer Zeit auf. Aufklärung, Bildung und Kultur waren ihnen von der Realität und der Indi-