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Die Freistatt · 1913-12-08 · Heft 9 (8.12.1913) · p. Seite 543

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 9 (8.12.1913)
Article
Duwed Kenigsberg: "Sonetten" von "Lider", Lemberg 1913 [Rezension]
Date
1913-12-08
Page
Seite 543 (sequence 2)
Language
German
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542 Vom jüdischen Leben und Schaffen brüchig, wenn Kdie Freiheit, Worte abzukürzen und zu apostrophieren, übertreibt. Dann leidet der Rhythmus sehr, und so verdreht manchmal eine schlechte grammatikalische Wendung den immer schönen Sinn seiner Sätze. In den „Lidern* gibt sich, oesonders in ihrer formalen Gestaltung, ein deutliches Fortschreiten zu erkennen. Melech Rawitsch. (Von Kenigsbergs Kunst enthält das Novemberheft der Freistatt eine Probe,) Die Redaktion. Vom jüdischen Leben und Schaffen Ungewollte Früchte* Im „März* (1913, Hefte 46—48) hat Stefan Grossmann dem Zionismus eine ziemlich nichtssagende Grabrede gehalten, und Julius Simon hat darauf den Totgesagten wieder lebendig gesprochen. Also eine Sache, die in der Hauptsache Zionisten angeht. Wenn sich nicht eines wieder herausgestellt hätte: Die ungeheuerliche Versimpelung, die das jüdische Problem durch die zionistische Journalistik tagtäglich erfährt, erntet hier ihre Früchte. Dies Herantreteil an das jüdische Problem mit unzulänglichen, von allem positiven Wissen leeren Händen, mit einem Hirn, dem nicht einmal die primitivste Konzeption jüdischen Volkslebens möglich ist, mit einem Herzen, das nichts vermag als eine kalte vereinsmäßige, nationalistische Begeisterung, — diese Malträtierung jüdischer Volksprobleme, wie sie bisher von den Zionisten fast berufsmäßig, zur Propaganda für ihre Parteischöpfungen betrieben wurde, steckt andere journalistische Naturen an Wenn heute in der deutschen Publizistik der Grundsatz herrscht, daß jüdische Volksprobleme ohne Ehrfurcht, ohne das selbstverständliche Wissen um die Materie, das man jeder anderen ernstzunehmenden Arbeit entgegenzubringen hat, von dem erstbesten Literaten verhandelt werden dürfen, so trifft die Zionisten, weil sie hierin Schrittmacher waren und sind, viel Schuld. Wie könnten sie auch jüdische Heiligtümer vor unberufenen Händen und geschwätzigen Mäulern schützen, die selbst sich tagtäglich an ihnen versündigen. Sie protestieren nur dann, wenn der Zionismus, anders wie in Sombarts ungeheuerlichem Judenbüchlein, einmal schlecht wegkommt. Sollte aber Grossmann Schule machen, und benutzt einer seines Schlages die freie Zeit dazu, die Gedankenarbeit Pasmaniks, Frugs und anderer Hebraisten fortzusetzen, die jiddische Kultur wohlfeil zu bewitzeln und Versuche wie die der Freistatt ins lächerliche zu ziehen — sie müßten schweigen. Auch diese Früchte können sie noch ernten* F. M. K. Vorlesung Max Brods Dass sich zum ersten Male die jüdisch-nationalen Vereinigungen Berlins zusammenschlössen, um einen jüdischen Dichter eigene Werke lesen zu lassen, äst ein gutes Zeichen für ihren Ernst und ihre Regsamkeit, aber der Abend entsprach nicht den Erwartungen. Es machte wirklich den Eindruck, als ob Max Brod der Ansicht sei, Erzählungen, (daß unser Leben doch eine frohe und anerkennenswerte Sache wäre), zionistische Erlebnisse und Stellen der Bibel würden bereits zur Kunst emporgehoben, wenn man sie in glatten Worten sagte. Es fand sich wohl hier und da noch eine

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