Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (8.12.1913)
- Article
- Literaturgeschichte u[nd] And[eres] [Rezension]
- Date
- 1913-12-08
- Page
- Seite 542 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücherbesprechungen 54t Gewand, nicht Endzweck" in logischen Einklang bringen läßt Der philologische Teil des Artikels ist so familienblattdilettantisch, daß man auf dem Titelblatt sehr verwundert die Jahreszahl 19 U liest Und kommt man erst zum Abschnitt »die neue jüdische Literatur % so genügt bloße Verwunderung nicht mehr. Man muß zwischen Unwillen oder Lachen wählen, sieht man diesesTohuwabohu zufällig herausgegriffener und durcheinandergeworfener guter Namen und Werke und des lächerlichsten „populär-wissenschaftlichen* Zeugs und Ähnlichen. Ich kann es mir nicht versagen, den ganzen Abschnitt hierherzusetzen damit jeder, der etwas davon weiß, sehe, wie sich manche Menschen Literaturgeschichte vorstellen: ,Die neue Epoche der modernen jüdischen Literatur beginnt mit Sh. J. Abramowitsh, genannt „Mendale Mojcher Sffirem* mit seinen Erzählungen „Düs klejne mentshale*, „Di takse\ ,Di kljatshö\ Ale ksüwem fyn M. M. S. — J. J. Linecki, Dös chsideshfc jingl, Der weltlyech fyngm jür Ejn keset J. DinSzon, Ewn negef, Haneehüwim wehanfcimim, Weltgeshichte; J. Kacnelson, Karikatur'n; M. Spektor, Houzfränt zamlyng; Sh. Frug, Ale werk; D. Frishman, Ale Shriftn; J. L. Perec, Shriftn, Folkstimleche geshichtn; Sh. Rabinowitsh (Shülem Alejchem), Werk. Auch sind hervorzuheben: G. Bader, Kalender; J. Bernshtejn, Jideshe Sprichwerter, yn r6dnsartn. In Amerika sind besonders hervorzuheben: A H. Frenkl, Loj tircoch, An uphandhyng iber di (!) wegetariantzm; L Kobrin, Di imigrantn; B, Fägnbojm, George Washington, Biografje; D. M. Hermalin, Der shpanösh-amerikanesher krig, Ousgewejlte werk fyn Shakespeare; M, Zejfert, Itale yn Gitaie; A Tanenbojm, Goldgrybn fyn Kalifornje, Himl yn waser, A. wisnshaftlecher roman; P. Wjernik, Jideshe geshichte; J. J. Zewin (Tashrak), Geklibene shriftn; M. Roznfeid, Ggzamlte werk; M. Wintshewski (Bennei), Shriftn; Filin Krane, KulturgSshichte; Dr. Ch. Zhitlowski, Di filosofje, wüs zi iz yn wi zi hot zech antwiklt; A. Harkawi, Werterbicher; jehojesh (Sh, Blymengartn), Shriftn, und besonders seine Bibelübersetzung, von der schon Jesaja, Hiob, Das Hohelied, Ruth und Prediger erschienen sind/ — Was will man da noch sagen? . , . Sch. Duwed Kenlgsberg: „Sonetten* und „Lider", Lemberg 1913 In ihren Themen ganz mit der europäischen Literatur Schritt haltend, blieb die jiddische Dichtung nicht nur e i nmai vor den steilen Mauern der Form unbeholfen stehen. Denn so reif auch nicht wenige ihrer Dichter, so jung ist diese Literatur. Darum vermissen wir in ihr noch manche Arten der Liedgestaltung, Kommt dann einer und meistert ihr neue Formen, dann ist Grund genug zum Aufhorchen. Uns liegt ein kleines Bändchen eines jungen, wenig bekannten Dichters vor: 28 Sonette, Dichtungen vielfarbiger Motive, Zeichen einer allseitigen Kraft Der Stil einlach, volkstümliche Wendungen, und die Worte unverfälschtes Jiddisch. Keine tauben Stellen. Die naive Ausdrucksweise zeigt das schmerzvolle Herz eines frühreifen Ghettokindes nackt. — Doch ist Kenigsberg, so stark er auch im Golus wurzelt, kein Voiksdichter. Nur mit seinen zarten Nerven umarmt er die Welt des „stetels"; er besiegt sie, aber er weint nicht mit ihren Massen. Seine Naturschilderungen und seine Stimmungen sind andere als die Reisens, Kenigsberg ist mit seiner Trauer einsam; er kündet nicht das Leid der Menge. — Es gibt in dem Büchlein einige Bibelmotive. Hier ist K. ganz Goluskind, — ein Chederschüler, naiv, gläubig; ein alter traditioneller Stolz, wie ihn in den Schulen des Ostens der strenge Lehrer den Kindern übermittelt. Der Klang dieser Sonette ist eher vizionär als chassidisch und hat etwas Mittelalterliches, wie das Glauben der Märtyrer. Manche der Sonetten sind bis auf das letzte Wort vollendet (so besonders 1, VII, XVI, XX), Die Verse sind da meistens wundervoll natürlich mit dem Sinn verwachsen. Die Elastizität seiner Sprache aber wird oftmals steif und