Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (8.12.1913)
- Article
- *** / Schneier, Salmen
- Date
- 1913-12-08
- Page
- Seite 539 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
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538 Jiddische Dichtung VIII * dich zu verlassen, ist wert, ist wert, — dann zu kommen zurück, und hinzu* welken, ist wundersüß — und wieder zu blühen. — Und was ist ein Stern ohne Finsternis, eine Flamme ohne Frost? Was ist meine Liebe, was ist mein Haß? Ein Feuer im Frost. — Es ist ein ewiges Rätselrad: Verjagst sie — sie kommt. Ich vertreib dich und bin ein Vertriebener und wein', wenn du kommst] A. Walt — A frimorgn in Nujork. Of dem wistn, blasn himl Chapt zech yf der kranker morgn, Yn di grojse shtüt derwacht zech In dem n£pl grü farborgn, Chmurne gist yn gist mit mentshn, Foule, g&e, wi der morgn, Fyn di kelers in fabrikn, In dem n£pl grü farborgn. . . . [A. Walt — Ein Morgen in New- York. — Auf dem öden blassen Himmel ist erwacht der kranke Morgen, und die große Stadt erhebt sich, eingehüllt in grauen Nebel, — Trübe strömen all* die Menschen, faul und gelb, so wie der Morgen zur Fabrik aus ihren Kellern, eingehüllt in grauen NebeK] Moris Wintshewski, — Düs jfimerkol. Ech her a kol, a jümerkol, A shmerclechn geshrej, Ech her em, ducht mir, of a mül Fyn erter alerlej. Ech h6r em dortn, her em du Ech h£r em ymetym, Yn shtarker w£rt er wüs fyn shü Yn nemt alcding arym. Ech freg dem himl yn di erd, Di sht£r*n yn di zyn, Ech bet zej: Zügt mir yn derklert, Wüs iz der mejn derfyn. Ejn sht^r'n nor, er winkt yn zügt: „Dy fr£g dem fräen wint, Dem wint, wüs trügt düs kol, wüsklügt, Ot iz er, red geshwind." . . . Ech shra aryf cym wint yn züg: Derkler mir wüs batät Di shmercderfilte jümerklüg, Wüs hört zech nünt yn wät? Iz düs der lecter shmercgeshrej Wüs shtarbt üp yn farshtymt? Iz düs farkert der och yn wej Far a geburt, wüs kymt? „A herleche geburt batät Düs kolö — zügt mir der wint — »Di cät iz lang shojn of der cät, Düs gejt zi ict cy kind." [Morris Wintschewski. — Der Jammerruf — Eine jammernde Stimme höre ich, ein Schreien voller Weh, von allen Seiten scheint mir, tönt sie an mein Ohr zugleich. — Ich hör sie hier und hör sie da, ich hör sie überall, und immer stärker wächst sie an und alles hüllt sie ein. — Ich frage Himmel und Erde, die Sonne und auch die Sterne, ich bitte sie: Erklärt mir, was bedeutet der Jammerruf? — Und nur ein Stern winkt mir und spricht: „Frag nur den freien Wind, der trägt den Jammerruf, hier ist er, sprich geschwind." — Da schreie ich zum Wind hinauf: Sag an, erkläre mir doch des Jammerrufs Bedeutung, der nah und fern ertönt. — Ist es der letzte Schmerzensschrei, der hinstirbt und verstummt, ist es vielleicht das bittre Weh der Stunde der Geburt? — „Eine herrliche Geburt sagt an die Stimme* — spricht der Wind — „der Zeit naht lang schon ihre Zeit — es nahet die Geburt/] Awrüm Wjöwjurka, — Män Hd. Yn woltn di bejmer man lüshn farshtanen, Ech wolt zej azojfl dercejlt! Bawejnön, o, woltn di werbn, kashtanfcn Man harc, fyn jösyrgm gekw£lt Yn wolt ech farshtangn di shprach fyn di grüzn,