Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (8.12.1913)
- Article
- *** / Rolnik, Josef
- Date
- 1913-12-08
- Page
- Seite 538 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
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Jiddische Dichtung VIII 537 [Josef Rolnik. —Neben mir schreitet der blinde Schrecken und er flüstert: Sprich nicht laut! Und deswegen, Brüder, bin ich also still und also bleich. — Auf der Schulter hockt Verzweiflung, saugt mir jeden Tropfen Blut, Darum wanken meine Füße, beugt zur Erde sich mein Kopf. — Und von vorne läuft das Unglück, stellt mir Schranken in den Weg. Und deswegen, Brüder, find ich hier im Leben nicht den Weg.] Z. Segalowitsh. V Ch we! dir brengen shejne blymen, B1Ü2, rojte, ale farbn, Zolst nit zorgn, zolst nit lädn, Wen di blymen wein shtarbn! Ch wel dir brengen frishe, näe Wifl dy west nor farlanggn — Zolst nit zorgn, zolst nit lädn, Wen a troum wert gich farganggn, West azojfi troumen hübn Wifl ch wel dir brengen blymen; J6dn tflg wel ech mit krancn, Mit di shenste cy dir kymen. [S. Segalowitsch, — Schöne Blumen werd' ich dir bringen, blaue, rote, alle Farben. Ohne Zagen, ohne Leiden, sieh's dann, wenn die Blumen sterben. — Werde dir dann frische bringen, so viel du nur haben möchtest — ohne Zagen, ohne Leiden, sieh's, wenn Träume schnell entschwinden. — Träume wirst du soviel haben, als ich Blumen bringen werde: Täglich werd' ich mit den schönsten Kranzesgaben zu dir kommen ] A. Ch. Sheps. — Eint Düs zamd hot farshlyngen man blytikg trer, Man zifc hot fartrögn der wint, In shlüfloze necht hot geflistert mir wer: .West shtarbn ba fremde, män kind!" Ch hob ejnmfil gehört a gßwejn ofn feld, Wen ech hob geblondzhet alejn, Yn wy nor ech wügl acind of der weit# Balejt mech düs wate gewejn, Yn Hg ech ba nacht in der fremd of a bet Yn s hiltmech düs finsternesh shwarc — Dan ducht mir, düs shtilä gewejn mit geh«, Es kymt fyn man ejgn'em harc. [ A. Ch. Scheps. — Elend» — Meine blutige Träne verschlang der Sand, mein Seufzen verwehte der Wind, in schlaflosen Nächten flüsterte mir's: „Bei Fremden stirbst du, mein Kind!" — Auf dem Felde hört ich ein Weinen einst, als ich einsam irrte umher, es verläßt mich, wo immer ich irre jetzt, das ferne Weinen nicht mehr. — Und lieg1 ich des Nachts in der Fremde zu Bett, gehüllt in der Dunkelheit Flor, dann glaub ich, das flehende Weinen kommt aus der eigenen Brust hervor.] ZalmSn Shnejen V Libe hejst: Fänt hübn alemen Yn libn nor dech — Es lojnt zech, Ss lojnt zech als fänt hübn Yn libn nor dech! Es lojnt zech, es lojnt zech f arlozn dech Yn kymen cyrik — S iz lib yn s iz zis, cy farwelkt wer'n Yn blien cyrik. Yn wüs iz a shter'n un finsternesh A flaker tin frost? Yn wüs iz män hasn yn libn dech? A fäer in frost. An ejbike rüd mit a retenfcsh Dy jügst zi — zi kymt, Ech trab dech yn ch bin a fartribn'er Yn wejn, wen dy kymst. [Salinen Schneier — Liebe heißt: Hassen die ganze Welt und Heben nur dich* Zu hassen die Welt, ist wert, ist wert, und zu lieben nur dichl — Und