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Die Freistatt · 1913-12-08 · Heft 9 (8.12.1913) · p. Seite 537

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 9 (8.12.1913)
Article
Aus dem Buche "Schwarze Rosen"
Date
1913-12-08
Page
Seite 537 (sequence 2)
Language
German
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536 Jiddische Dichtung VIII Kann ich dir denn deine Rosen bringen? — Kann ich dir denn deine Rosen bringen? Blumen blühen» ersehnt aus dem Herzen, und die Herzen verlangen nach Lilien, weißen Lilien und flammenden Rosen, und die Rosen ersehnen Strahlenduft, und Strahlenduft ersehnen die Herzen. Kaltschwarze Rosen blühen im Dunkel, und im Dunkel schließen sich Herzen — jedes Herz mit einem Schloß, einem Schloß — schmiegen sich dicht an Erinnerungen des vergangenen bleichblauen Tags und schlafen langsam im Schrecken ein, Blumen blühen, ersehnt aus dem Herzen, schwarze Rosen, erträumt in der Nacht — wer wird sie aus dem Dunkel rufen wollen? Augen suchen im Dämmern die aufgehende Sonne, und am Abend die aufgehenden Sterne — und ins Dunkel zwischen den Sternen, in die ewigunendliche Nacht, hat noch niemals ein Auge gesehen. Blicke spinnen die Hoffnung am hellblauen Himmel, Gebete wandern und suchen einen strahlenden Gott — doch zu der finster-gefrorenen Ewigkeit, zu der frostigerstarrten Nacht hat noch niemand Gebete geschickt. Tod-schwarze Rosen blühen im Dunkel, erträumt in der Tiefe der Nacht — wird sie jemand dem Dunkel entrufen? — Und ich ging deine Rosen nicht suchen unter Blumen in den Gärten der Stadt, unter Ähren auf goldenen Feldern, unter Gräsern in rauschenden Wäldern, in den Strömen des hellblauen Tags — ich ging in die Nacht, in die Nacht, auf die Gräber von Lebensträumen, auf die Gräber erstickter Atemzüge, auf die Gräber der Toten selbst — aber sieh! Der Tod ist noch frisch, und er lebt fioch, und das Sterben ist ziehend-rot . . . . — Heute ist noch nicht der Frühling der tod-schwarzen Rosen. . .] Jänkfiw Mcstl. V Man lid fyn glik, män zynenlid Iz lang farklynggn shojn in wint, Man harc iz krank, man harc iz mid Far lojbgezeng, far shtile zind. Es ligt in feld a rojz farblit A himnus krejt di krü cym zig — Dös iz gestorbn mäns a lid, A zynenlid, a lid fyn glik. [Jakob Mestel. — Mein Lied vom Glück, mein Sonnenlied verklang so lange schon im Wind. Mein Herz ist krank, mein Herz ist müd für Lobgesänge, für Sünden still. — Im Felde liegt eine Rose verblüht, die Krähe krächzt ihr Siegeslied — ein Lied, das ist mir gestorben jetzt, ein Sonnenlied, ein Lied vom Glück.] Mejlech Rawitsh. — Libeskleng. A mejdale shejn iz gegangen in wald, A blimale shtil hot geblit A hentale zis hot gerisn di blym; Dus shtengale wejnt yn farblit. Män harc iz a blym, s iz a blimale zis Azoj wi dfis bliml fyn wald, Wös blit noch gerisn'erhejt azoj shejn, Wi lang es düs mejdale halt. [Mejlech Rawitsch. — Liebesklänge. — Ein schönes Mädchen ging im Wald, ein Blümlein blühte still, ein süßes Händchen pflückte es ab; das Stenglein weint und verblüht. — Mein Herz, das ist ein Blümlein süß, so wie das Blümlein im Wald — das blüht nach dem Pflücken noch immer so schön, solange das Mädchen es hält ] Jos£f Rolnlk. V Ba män zät shpant blind di mojre, Sheptshet, ch zol nit redn hojch. Ot deriber, brider, bin ech Azoj shtil yn azoj blejch. Of män plejcg zict der jiesh, Tropnwäz män blyt er zejgt, Driber mäne fis zech waklen Yn man kop cy dr erd zech bejgt. Yn fürous farlojft der ymglik, Shtelt mir coumen of man weg. Yn deriber, brider, tref ech In män lebn nit d£m w6g.

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