Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (8.12.1913)
- Article
- Schattenbilder - Die Stiefmutter
- Date
- 1913-12-08
- Page
- Seite 534 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Verse 533 Um das frühe Ende Lebensfroher trauern, deren Geschick sie in die Gemächer tragen, Sie lauscht, lockt und lauert: Junge Kinder lachen, sie fängt ihre Winke auf, Die sie mit verstohlener Feindseligkeit verräterisch umfassen. Verwehte Geheimnisse blühen auf: Sie entsinnt sich der Orte, der Zimmer, Die ihrer Unschuld reifes Prangen, ihrer Liebe stumme Hingebung bewundernd sahen. Entsinnt sich der Träume, die wie Diademe um sie blinkten, Und greift vergleichend ihre Armut auf, die in ihrem Umkreis wurzelt und wächst Verschämt gleitet sie durch Korridore und Hallen und horcht. Das Staunen gibt ihr Geleite, und ihr Blut zweifelt und richtet. — Schattenbilder — Landschaft Unter der Unbill der Dürre schmachten die Felder, die die Sonne Braungebacken und braungeröstet hat. Man wähnt: Verkohltes Brot, Niemandem von Nutzen, niemandem zur Freude, liegt da und erhebt Anklagen gegen alle und alles. Steinerner Haß stutzt aus ihren Breiten, Über die der Wind grausam geht; wie dichtes Gewölk, ohne Spuren der Weiche, Wie zerklüftet, zerraufter Gram, abgehetzt und verwünscht liegt der Boden Und auf ihm ungeschlacht der Druck der Hitze, dessen Anprall Seine steifen Splitter foltert, daß sie sich ohne Forschen In die gruselige Schadenfreude schicken. Es regt sich nicht das Wohl der Kühle, es wird nirgends ein Hauch, Der den verbrannten Staubkörnern ihre Heimlichkeit sagt, kein feuchter Tropfen Gaukelt Frische den in Ohnmacht vergrabenen Flächen vor. Die Not steigt, zweigt sich ab in die Baracken, wo die Bauern In zusammengerotteter Verbitterung grau verwittern