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Die Freistatt · 1913-12-08 · Heft 9 (8.12.1913) · p. Seite 532

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 9 (8.12.1913)
Article
Flüche - Dem Leben
Date
1913-12-08
Page
Seite 532 (sequence 2)
Language
German
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Verse 531 Und dieser Plunder kettet uns — im Traum, im Wachen, In der Mitte tatenglänzender Stunden und im Einschlummern verwehten Brausens, Unser Steigen und Niedergleiten, unsre elastische Gewaltsamkeit und matte Steifheit Baumeln, taumeln in die morgenrötlich angestrichenen Gemächer, Deren Wände Waffen schmücken, die wir vom Roste gereinigt Und deren Griffe wir in den grimmigsten Nöten gemeistert. Seltsam wie Du hervorleuchtest: Meine Launen haben euer Spiel gestimmt, Und ich habe euer Verstimmen mit tneinem Ernst gedüstert! Und Dein Erklingen zerzwickt unser Flickwerk: Unsicher erhallen unsre Schritte Wie in Gefängnissen und wehrlos empfangen wir Dein Verachten, — Das uns stärkt: Wir fliehen nicht, wir knieen nicht vor Dir! Unsre Stärke sträubt sich, Deinem Schub zu folgen Und an Deinem Gekose wie an fremdem Blut zu lecken! Flüche — Der Sprache Das Wort war uns fremd: Es hing über unseren Häupten, lag jenseits Der Gebirge und Meere, roh und ungeschliffen wie Marmorquadern aus den Brüchen. Wir auf den gewaltigen Anhöhen, in den öden Höhlen rangen mit dem Plumpern Gebrüll der Tiere, das sich scharf in unsere Leiber einkrallte, Rangen mit den kreischenden Winden und Orkanen, deren flammende Wildheit Unsere aufgelockerte Kraft mit tobender Angst paarte. Wie ein Krampf ging es durch unsere Adern: dunkel. Vor den Gewässern Standen wir, tranken ihr Geräusch; das Geknister, das aus den Steinhaufen stieg, Weckte die seltsam gekrümmte, geknickte Furcht, die den Lauf unseres Blutes hemmte; Jeder zischende Laut, der niederfiel, schläferte unser waches Ringen ein: Denn das Wort war uns fremd, jeder Rang und Wunsch namenlos Wie Erdschollen: Des Einzelnen Gram war ganz sein.

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