Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (8.12.1913)
- Article
- [Vorbemerkung "Zur jüdischen Arbeiterbewegung"] / Schriftleitung <Redaktion der "Freistatt">
- Date
- 1913-12-08
- Page
- Seite 510 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ber Borochow, Zur jüdischen Arbeiterbewegung 509 wenigen ab, die aber in ihren Anschauungen immer noch irgendwie zu Parteien hin gravitieren) noch viel zu beteiligt in den Dingen. Was erreicht werden kann ist dies: das$ durch eine möglichst von ailen Rücksichten freie Aussprache die Gegenseitigkeiten der verschiedenen Theoretiker nebeneinander zum Ausdruck kommen» (was momentan allein in der Freistatt möglich ist) und durch die derart erreichten Korrekturen sich das Bild möglichst klärt. Bisher ist uns erst das Material des Herrn Borochow eingegangen, der, wie das der Leser aus seinen Ausführungen leicht wahrnimmt, auf poalezionistischem Standpunkt steht Er wird in der Folge noch behandeln: die Anfänge der jüdischen Arbeiterbewegung, die Lohnkampfe im Ansiedlungsrayon vor der Revolution und Ideenkämpfe in der jüdischen Arbeiterschaft, Zudem sei hier auf das 3. und 4. Heft im 36. Band des Archivs für Sozialwissenschaft und Soz ialpolitik hingewiesen. Dort ist der Bericht des „Bund" an den Internationalen Sozialistischen Kongress zu Stuttgart (1907) in zwei umfangreichen Teilen abgedruckt. Er ist bisher der OeffentHchkeit nicht bekannt geworden und enthält reichhaltiges Material; nur ist zu berücksichtigen, daß die speziellen nationalen Fragen dem Zweck des Schriftstücks entsprechend kaum berührt worden sind, und das Ganze über die geistige Struktion des Bundes wenig Auskunft gibt, während auf den heldenhaften Kampf des jüdischen Proletariat zur Revolutionszeit helles Licht fällt. Die Schriftleitung. Im selben Lande, wo die jüdische Arbeiterklasse geboren wurde, sind auch die Anfänge der jüdischen Arbeiterbewegung zu suchen. Nicht nur die Anfänge, auch die merkwürdige Entwicklung hat sie hier erfahren, und wenn man vom Proletariat und Klassenkampf im jüdischen Volke spricht, so ist es hauptsächlich Rußland, das damit gemeint ist. Auch von einer anderen Seite her ist das russisch-jüdische Proletariat maßgebend — insofern hier die verschiedenen Strömungen und theoretisch-praktischen Spaltungen zur vollsten Entfaltung gelangt sind. Wenngleich die Heimat der sozialistisch-jüdischen Presse Amerika ist, so erscheint doch der jüdische Arbeiter Rußlands auch in literarischer Hinsicht im Vergleiche mit seinem transatlantischen Lehrer als der begabtere und charakterfestere. Daher empfiehlt es sich für den Geschichtsschreiber der jüdischen Arbeiterbewegung, Rußland als Ausgangspunkt und hauptsächliches Forschungsgebiet immer im Auge zu halten. Wie überall, so ist auch bei den Juden der Klassenkampf des Proletariats einer der mächtigsten Hebel des sozialen und kulturellen Fortschritts. Wenn sich auch die ganze neueste Geschichte des jüdischen Volkes bei weitem nicht in Klassen-