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Die Freistatt · 1913-11-15 · Heft 8 (15.11.1913) · p. Seite 479

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 8 (15.11.1913)
Article
Habharaaaa Ssefardiiiit
Date
1913-11-15
Page
Seite 479 (sequence 2)
Language
German
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478 Vom jüdischen Leben und Schaffen aschkenasischen, als die elf Millionen Aschkenasim zur sfardischen Aussprache zu bekehren? Oder wenn die Aussprache -Einheit, in Übereinstimmung mit einer gewissen Ideologie, vielleicht nur mit Rücksicht auf palästinensische Bedürfnisse und Verhältnisse gewünscht wird — ja, muß man denn nicht auch in Palästina mit einer wachsenden aschkenasischen Mehrheit rechnen? Aber die „hawara sefardith*, die Aussprache der Spaniolen, soll die einzig richtige Aussprache des Hebrä* isenen sein. In welchem Sinn? Daß unsere Ahnen ihr Hebräisch in der heutigen „hawara sefardith* oder so ähnlich ausgesprochen haben? Ist das wirklich noch Sinn oder nicht vielmehr schon Unsinn? Angenommen selbst, es wäre ebenso unbestrittene wissenschaftliche Wahrheit, wie es tatsächlich bestritten ist, daß die Hebräer durch das ganze Altertum sefardisch sprachen — wie kann man sich so lächerlich machen und vergangene Richtigkeit als absolute, ewige Richtigkeit dekretieren und ansprechen zu wollen? Kann man wirlich so naiv sein, zu glauben, daß ein Volk imstande ist, in irgend einer Zeit „unrichtig* auszusprechen oder zu sprechen? Die sefardische Aussprache soll auch schöner klingen, als die aschkenasische. Aber selbst, wenn's wahr wäre — ließe sich der letzteren Lebenstatsache und Lebenskraft damit umbringen? Und darf man überhaupt solchen Schönheitsurteilen leicht trauen? Sind sie nicht immer subjektiv, oft aber auch noch durch Vorurteile und Voreingenommenheiten getrübt? Wenn einen seinem Wesen nach gerade an seinem ererbten, ordentlich und geschichtlich gewordenen Judentum alles verdrießt — muß er da nicht die aschkenasische Aussprache häßlicher finden als die sefardische? Zumal, wenn noch kannegießende Sympathien für den „orientalischeren* Klang des Setardischen hinzutreten? Und ist dann — wenn man sich schon in diesen Dingen souveräner Volkstatsächlichkeit mit Geschmacksfragen abgeben will — nicht noch immer jenes reine Geschmacksurteil vorzuziehen, das viele, viele gebildete Juden des Ostens und Westens haben und das gerade eineProselytin, die bekannte Nahida Ruth Lazarus — gewiß eine neutrale Zeugin — in die folgenden Worte gefaßt hat? „Ich wählte die sogenannte aschkenasische, d. h. polnische Aussprache, als die kräftigere den volltönenden O-Vokal bevorzugend, im Gegensatz zu der sephardischen, d h. spanischportugiesischen, bei welcher das A vorherrscht; letztere galt zwar als die vornehmere, literarisch höherstehende, aber das war mir gleich; ich zog den Wohllaut vor.*4 Nein, keine objektive Ästhetik, keine ewige Richtigkeit, kein Einheitsbedürfnis legitimieren die Fanatiker der „habharaaaa ssefardiiiit" zu ihrer ungebärdigen Agitation gegen die aschkenasische Aussprache von elf Millionen Juden und iür die allgemeine Einführungder Aussprache einer Drittelmillion. Nein, es ist nur ihre eigene Psychologie, die sie bestimmt, dieselbe geronnene Psychologie, die auch gegen die jiddische Sprache von neun Millionen Juden Sturm läuft Es ist nur ihre eigene Phantasie, die sie treibt, dieselbe trockene Phantasie, die sich an einen hebräisch sprechenden jüdischen Volke der Zukunft ergötzt- Es ist nur ihre eigene Willkür, die sie hetzt, — diese tändelnde Willkür, die kleine, sehr, sehr gewöhnliche, sehr, sehr begrenzte, sehr, sehr utilitaristische Ziele mit dem ausgeborgten Mantel der Absolutheit deckt. Denjenigen aber, die um die lebendige Seele und das seelische Leben des jüdischen Volkes besorgt sind, kann's übrigens recht sein. Denn man braucht sich nur auf das Lächeln auf Juden* Uppen zu verstehen, um zu sehen, daß die guten Hebraisten in ihrer „Habharaaaa'-DonQuixotiade das beste Mittel gefunden haben, sich unmöglich zu machen. M. a. Die spielenden Kinder Wir haben schon zweimal — und zwar von Herrn Kurt Blumenfeld in einer Berliner Versammlung und dann von Herrn Lichtheim auf der zionistischen Kongreßtribüne — die ironische

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