Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 8 (15.11.1913)
- Article
- *** / Dembitzer, Salamon
- Date
- 1913-11-15
- Page
- Seite 469 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
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468 Jiddische Dichtung VII Er hot dech mld gemacht, Es hot cy lang g£ lacht, Ict kymt di nacht, Ict kymt di nacht. [Salamon Dembltzer. — Es fa len deine Augen zu, willst schlafen* Der Tag, der war so heiß, er hat dich rnüd gemacht, zu lange lachte es, jetzt kommt die Nacht, jetzt kommt die Nacht.] JänkCw Fichman. — Kinderlid. Got, Got, gib a regn Fyn di klejne kinder wegn! Gib in schys fyn kinder klejne Waser loutere yn rejne Yn cylib di kinders tfile Zoln kwaln flisn kile. Got, Got, gib a r£gn Fyn di klejne kinder wegn! Wy a grüz, a zang, a dare — Shik zej shefe fyn der chmare, Yn fyn himls Übe trer'n Zoln grin di felder wör'n. [Jakob Fichman* — Kinderlied. — Gott, Gott, gib Regen um der kleinen Kinder willen! Gib um kleiner Kinder willen klares, reines, lautres Wasser. Und zulieb der Kinder Beten, mögen kühle Quellen rinnen. — Gott, Gott, gib Regen um der kleinen Kinder willen! Schick dem trocknen Gras und Korne Fülle aus den Wolken nieder, durch des Himmels liebe Tränen mögen grün die Felder weiden, AI. L. Halpern. — V Dän wej iz tif, wal shojn als kind Hosty dän glik farlor'n* Ech hob man glik farlor'n ict, In mänß shenste jur'n. A jör cyrik, och, fl6g män harc Di shenstö troumen w«5bn. Es hot män harc a kind geübt, GSlibt dfls gance lebn. Geshtorbn iz mit ir man glik, Bin ech alejn geblibn. Ict fil ech ersht, wi shw£r es iz, Düs ejnzamkejt ci libn. [M. L. Halpernu — Dein Leid ist tief, weil du dein Glück als junges Kind verloren. Doch ich verlor mein Glück erst jetzt, in meinen schönsten Jahren, — Vor einem Jahr noch wob mein Herz die allerschönsten Träume. Mein Herz, das hat ein Kind geliebt mit der Glut des ganzen Lebens, — Es starb mit ihr dahin mein Glück, ich blieb zurück verlassen. Jetzt fühl' ich's erst, wie schwer es ist, die Einsamkeit zu lieben] ShtnySl Jänk£w Imber. — Of jener zät tir. Of jener zät tir, of jener zät want Shtejt glik yn ymglik haut in hant „Gej dy arän frir! — .Gej dy arän frir!* H6r ech zej redn of jener zät tir. „Gej dy arän frir yn fardarb zan harc?" ,Gej dy yn mach zän ngshüme shwarc!" Yn zej shtejen fyn fri, yn zej shtejen biz nacht, Ech efn di tir yn män härc, €s lacht. Yn 6s lacht män zel, biz Ss shwindn di cwej — Män harc yn män z£l zenen shtarker fyn zej. [Samuel Jakob Imber. — Vor der Tür. — Dort hinter der Wand, dort vor der Tür stehn Glück und Unglück Hand in Hand. — »Geh du nur voran 1" .Geh du nur voran!" Hör ich sie sprechen vor der Tür. — „Geh du nur voran und verdirb sein Herz!" »Geh du und mach seine Seele schwarz! — Und sie stehen von früh und sie stehen bis spät, ich öffne die Tür und mein Herz, das lacht. — Und es lacht meine Seele und es schwinden die zwei, mein Herz und meine Seele ist stärker als sie.]