Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 8 (15.11.1913)
- Article
- Herbstlied.
- Date
- 1913-11-15
- Page
- Seite 467 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 77% known words query
- IRI
…/3119801-3119802-3119809-3120927--0848-3121049- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
m Jiddische Dichtung VII Wi shwach, wi tynkl zenen zej, Farshwarct fyn kelt, farnect fyn r£gn! Of Wernes kejwer zol ech 6m, Dem lectn kranc aniderlejgn? Ejn ejncik krencale hob ech, Azoj farwjalet, shwach yn ürem, Yn du, of j&in, j6dn trit ech cyshprejt azojfl kwürem! Mit hyndert ringen, hyndert hent Hot mech der tojt arymgenymen, Wyhinzhe zol ech lejgn du Dem lectn kranc, di lecte blymen! [Herbstlied* — Wie naß, wie finster ist der Wald, wie blieben doch so wenig Blumen: Ich hab den ganzen Tag mit Müh1 ein kleines Sträußlein nur gesammelt. — Wie dunkel sind sie und wie schwach, vor Kälte schwarz, durchnäßt von Regen! Wem soll ich legen auf sein Grab den letzten Kranz, die letzten Blumen? — Ich hab* nur einen kleinen Kranz, der ist so welk und schwach und ärmlich. Und wo ich geh, bei jedem Schritt, seh ich so viele, viele Gräber! — Es hat mich hundertfach umringt der Tod mit Fesseln und mit Armen, wohin soll ich den letzten Kranz, wohin die letzten Blumen legen, JVL Barkahan. — In tojte t£g. Di zyn fargejt in farbnchejn, Der märöwhiml gilt; Ech kyk yn gar azoj fargejn, Nor ofgejn wider — nit. Zol zän der tojt a zynfargang — Nachtiber yn cyrik; Cywüs noch 16bn cwejmül lang Un übe yn ün glik? [M. Barkahan. — In toten Tagen. — Die Sonne vergeht in Farbenpracht, der Himmelswestert glüht; ich schau und möchte so vergehn und nimmer aufstehn mehr. — Wenn Sonnenuntergang der Tod, für eine kurze Nacht — wozu noch leben doppelt so lang ohne Liebe und ohne Glück?] Bar-Nash. — Wüs ech wejs» Wiazojzhe zi z€l ous, Wejs ech nit in haren; Yn ech wejs nor, az zi iz Chejnewdik in shwaren. Wiazojzhe zi zet ous, Ken man harc nit müln; S wejst nor nachtikshwarce hür, Ojgen — shwarce tüln. Fyn di ojgn, fyn di hör, Fyn dgm hür, dem shwaren, W6rt a chojshechfinsterkejt Tif ba mir in haren [Bar-Nasch, — Was ich weiß. — Wie sie aussieht, weiß mein Herz nicht; 'und ich weiß nur, daß sie dunkler Anmut voll ist. — Wie sie aussieht, kann mein Herz nicht schildern; nur das Nachthaar kennt es und der Augen schwarze Täler. — Ihre Augen, ihre Haare, ihre schwarzen Haare hüllen mir das tiefste Herz in Sehreckensdunkel.} Chajem Nachmgn Bjalik. V Ch bin nit of äer ryf gegangen, Ech kym cyn ach mit zibn wegn; Ech fal of äch, wi tou of zangen Yn wi of trykn grtiz der r6gn. Ymzist hot ir ggrousht, geljaremt Yn mech bagSgnt mit gäzang: Ech hob far ach a toub ggwaremt Yn ousggpikt hot zech a shlang* Yn zet, mech rirt nit der shaln, Yn äer hilchiker gerys Ligt tojt cy mäne fis gefaln Yn ech cyttr£t em mit dem fys. Fyn äer ousggloshn ojg Bin ech der lecter shwarcer blic, Fyn äerö farklemte cejn Der iecter cor'ndikster kric.