Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 8 (15.11.1913)
- Article
- Erdaltar.
- Date
- 1913-11-15
- Page
- Seite 466 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Jiddische Dichtung. VII 465 Zej zenen gew6n fyn gold yn fyn kyper Yn kyncik getokt yn gökrict; Of zej hot gebrent ynzer liejliker fäer Di hejlike «amen geblict. Nor täer in zej iz gew£n nit der kyper Yn nit inßm gold zejer wert: Dem 6rshtn mizbejech hot Mojshe rabejnfc Gebout ynz fyn püsheter 6rd; Fyn püsheter erd iz g£wen der mizbejech, Der örshter mizbejech gemacht, Of welchn mir hobn farcatn cym firshtn Dem hejlikn korbn gebracht Man folk! Nit farges of di alte rnizbejches, Bit Got, er zol wider cyrik Ynz ymkfir'n ynzere lechtike jür'n Mit ynzer fargangenem glik. GS denk ober ejbik dem £rshtn mizbejech, Baarbet mit libshaft di erd: In dem ligt farborgn dän kraft, dan nechüme, In d&n iz dan glik dir basheit! [Erdaltar. — Wir hatten viel große Altäre in jenen Tagen des Glücks, die einst uns wie die Sterne strahlten auf lichterftilltem Weg. — Sie waren von Gold und von Kupfer gefertigt, mit kunstvoller Arbeit geziert; unser heiliges Feuer brannte auf ihnen in heiligem Flammenglanz. — Doch weder im Golde noch im Kupfer lag ihre Herrlichkeit. Es hat uns Moses aus einfacher Erde den ersten Altar gebaut. — Aus einfacher Erde war der Altar, der erste Altar gemacht, auf dem wir vorzeiten das Opfer brachten, das erste geheiligte, — Mein Volk! Vergiß nicht die alten Altäre und flehe, es möge uns wieder Gott die vergangenen hellen Tage bringen und unser entschwundenes Glück. — Erinner dich ewig des ersten Altares! Die Erde, mit Liebe bearbeite sie, in ihr liegt dir Kraft und Trost verborgen, in ihr blüht dir dein Glück!] 4. Chejder-Lider. I. Der friling gejt, der friling gejt, A frish, a frejlech wintl wejt In wald, in feld, in gurtn. Dös wintl wejt, dös wintl fiit; A lid, a zisn frilinglid Derhert düs kind fyn dortn. Di shtraln shanen yn fyn zej Cygejt der lecter dz yn shnej, Di wildö fejgl flijen; Di fägnbejmer shtejen shojn In zejer hojcher, griner krojn, Di wantroubcwagn blijen, Es zingt düs täbale, es ryft Es worket in der blüer lyft. Man kind! Dy kykst zech wildarym? Dy shtejst farwyndert, blejch yn shtym Yn tr6r'n in di ejgalech Wi zilbertropn shtejen? Dem ,Shir-ashirem", jingale, Dem ,Shir-ashirem* lejen! [Chederlieder. I. — Der Frühling naht, der Frühling naht, ein frischer, fröhlicher Wind durchweht den Wald, das Feld, den Garten. Es weht der Wind, es fliegt der Wind, ein Lied, ein süßes Frühliugslied bringt er dem Kind von ihnen. Die Strahlen blitzen und geschwind zergeht das letzte Eis und Schnee, die wilden Vögel fliegen, die Feigenbäume stehen schon in ihrer grünen Krone da, die Rebenzweige blühen, die Taube in den Lüften blau, sie singt und gurrt und ruft. — Mein Kind, du blickst so wild um dich? Du wunderst dich, bist bleich und stumm? In deinen Augen glänzen auf wie Silbertropfen Tränen? Lies nur das „Hohe Lied", mein Kind, lies nur das »Lied der Lieder*!] 5. Herbstlid. Wi nas yn finster iz der wald, Wi wejnik blymen iz geblibn: Ejn bintl far a gancn tüg Hob ech zej koum cynojfgeklibn.