Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 6-7 (8.10.1913)
- Article
- Der echte und der falsche Schildkraut
- Date
- 1913-10-08
- Page
- Seite 412 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Vom jüdischen Leben und Schaffen 411 glauben haben. Denn der echte Schildkraut spielt ja Deutsch und kann kein Wort Jiddisch!" Im übrigen legen wir Herrn Rudolf Schüdkraut nahe, sich nicht mit der Erklärung im ,Berliner Tageblatt4 zu begnügen, sondern die genannten Theaterdirektoren und den vorerst noch genannten Litwak oder Galizier, die zusammen seinen guten deutschen Künstlernamen so schmählich mißbrauchten, direkt zu belangen. Denn wie leicht könnte sich sonst die ihm mit Recht so peinliche Legende befestigen, daß er, der leibhaftige Rudolf Schildkraut aus Rumänien, in New-York jiddisch gespielt hat. Und wer bürgt ihm dafür, daß sie sich dann nicht noch ausbaut und schließlich erzählt, er habe es geleugnet und damit das deutsche und deutsch-jüdische Theaterpublikum einfach belogen? Mit Legenden ist nicht zu spassen .... Panta. Eine Entdeckung Dr. Nordaus. Zwei Czernowitzer jüdische Studentenverbindungen haben auf dem Kongresse einen Aufruf verteilen lassen, der mit der für solche Gelegenheiten gebotenen Ueberschwänglichkeit das „gesamte gebildete Ostjudentum" zu einer „Wallfahrt" nach Palästina einlädt Um ihrer Einladung verstärktes Gewicht zu geben, lassen sie ihr den Abdruck eines Schreibens von Dn Max Nordau folgen, das nachstehenden Wortlaut hat: (lDer Gedanke, der von den jüdisch-akademischen Verbindungen „Hebronia" und „Zephirah" in Czernowitz ausgeht, verdient die tatkräftige Unterstützung aller Kreise, damit gerade in Czernowitz, dem Mittelpunkte und Herzen des Ostjudentums, die geistigen Kräfte der Juden Oestereich-Ungarns, Rumäniens und Rußlands zusammenströmen, und so der Plan der Palästinafahrt einen Triumph des intellektuellen Ostjudentums bedeute. Durch diesen Plan wird auch eine engere Knüpfung der Beziehung der gebildeten Juden des Ostens herbeigeführt und ein Anstoß zur Einigung des Judentums gegeben werden. Dieser großzügige Plan wird von mir aufs wärmste begrüßt und meine Hilfe zur Verwirklichung dieses zweifellos fruchtbaren und verheißungsvollen Gedankens den akademischen Verbindungen zugesichert, die iti selbstloser Weise die Vorbereitungen zu dieser Reise veranstalten. Ich begleite mit den innigsten Wünschen für den Erfolg diesen Plan, das Ostjudentum mit dem Lande unserer Väter durch eigene Anschauung bekannt zu machen/' Man kann natürlich von Herrn Dr. Nordau und seinen Schützlingen nicht die Einsicht fordern, daß die „Intellektuellen" und „Gebildeten", die sie meinen, nicht mehr den Anspruch erheben dürfen, als „Ostjuden" qualifiziert zu werden, und wenn sie wieder soweit kommen wollen, noch ganz Anderes und Schwierigeres als „Wallfahrten" nach dem heiligen Lande vollbringen müssen. Aber was man doch auch von Herrn Dr. Nordau verlangen darf, ist das primitivste Wissen um jüdische Dinge. Was man auch ihm nicht hingehen lassen darf, ist sein monströser Einfall, Czernowitz als den Mittelpunkt und das Herz des Ostjudentums anzusprechen. Es mag sich ja vielleicht lohnen, darüber nachzudenken,