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Die Freistatt · 1913-10-08 · Heft 6-7 (8.10.1913) · p. Seite 408

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 6-7 (8.10.1913)
Article
Aus Amerika
Date
1913-10-08
Page
Seite 408 (sequence 2)
Language
German
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Vom jüdischen Leben und Schaffen 407 chen« Was verbindet sie? Wie verständigen sich die Juden des einen mit denen des anderen Landes? Wodurch erfahren sie, was bei den anderen vorgeht? — Außer durch Hebräisch, das leider nur geschrieben, nicht aber gesprochen wird, durch die jiddische Sprache. Neunzig Prozent aller Juden sprechen jiddisch. Rußland, Polen, Rumänien, Oesterreich, Galizien, Deutschland, England, die Vereinigten Staaten, Canada, Argentinien, Südafrika, Australien, Palästina und noch viele andere Orte — alle sind sie durch die jiddische Sprache vereinigt. Was in einem Lande jiddisch geschrieben wird, wird in allen übrigen gelesen, und wohin immer das Schicksal einen Juden verschlägt — überall findet er Brüder, die ihn verstehen und ihn mit offenen Armen und warmen Herzen aufnehmen. — Was wäre nun, wenn die jiddische Sprache vergessen würde? Die Juden begännen so viel Sprachen zu sprechen, als sie in Landern wohnen. Das jüdische Volk würde in tausend Stücke gerissen sein, Keiner würde den zweiten verstehen, keiner von ihm etwas wissen. Die Juden eines Landes würden von allen übrigen abgeschnitten sein, und wer weiß, ob sie vielleicht nicht vollständig aufhörten, Juden zu bleiben. Beispiele dafür können wir bei uns schon heute mehr als eines finden. Daher, sagen wir, gibt es für jüdische Kinder, die aus vollem Herzen treue Kinder ihres Volkes bleiben wollen, keine bessere Arbeit, als die Pflege der jiddischen Sprache im Sprechen, Lesen und Schreiben." nb. Von zionistischer Volksliebe. Die Lzmberger Wochenschrift ,Der jüdische Arbeiter* ist augenblicklich das einzige zionistische Organ, das unerschrocken allen Gewalttaten und Unterdrückungen entgegentritt, die von der volksfremden, im Zionismus führenden Oberschicht fortwährend gegen die breiten Massen begangen werden. Man erinnert sich wohl noch mit Abscheu jener geschmacklosen Pamphlete gegen das Volk und seine Kultur, die sich die ^Zeitung des Zionisten' in dem Moment fabrizieren Heß, als man die Schekelzahter von der Beweiskraft des golusbejahenden Grundgedankens der ,Freistatt' bedroht glaubte. Nur ,Der jüdische Arbeiter4 war undiszipliniert genug, die niedrige Piipulistik jener Machwerke aufzudecken, während die beiden Ostjuden des E. A- C. gegen alle redselige Gewohnheit über den Schimpf, der im eigenen Organ ihrer Gemeinschaft angetan wurde, sich ausschwiegen. Dieselbe 2 7. Nummer der Wochenschrift ,Der jüdische Arbeiter', in der die Legende von der ostjüdischen Ku)tur kritisch nachgeprüft wird, enthält eine kleine Notiz, die auf eine erschreckende Weise den neuen Kurs im Zionismus illustriert. Herr Wolffsohn war zwar so Hebenswürdig, in Wien vom Präsidententisch aus zu erklären, man könne sogar in der jiddischen Sprache sich parlamentarisch, also anständig ausdrücken. Aber die subdternen zionistischen Organe sind offener als Herr Wolffsohn. Da ist in Wien ein Palästina-Informationsbureau, das in erster Linie galizischen Emigranten zu Nutzen kommen soll. Diese Emigranten haben 1911 mit allen Kräften für die Gleichberechtigung der jiddischen

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