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Die Freistatt · 1913-10-08 · Heft 6-7 (8.10.1913) · p. Seite 405

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 6-7 (8.10.1913)
Article
Statistik / - x -
Date
1913-10-08
Page
Seite 405 (sequence 2)
Language
German
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404 Vom jüdischen Leben und Schaffen Jerusalem steht also, was jüdischen Prozentsatz betrifft, erst an (achter oder) zehnter Stelle, während ihm (21 oder) 23 Gemeinden uxxr um weniges nachstehen. In Palästina hat eine Stadt über 75 Proz., zwei haben 50—75 Proz. Juden. In Galizien haben zehn Städte 50—75 Proz. Juden. In Rußland haben vierzehn Städte über 75 Proz. Juden und 128 Städte 50—75 Proz. Juden, abgesehen von den „Städtchen". Im folgenden sind die jüdischen Gemeinden nach ihrer absoluten Ziffer (von l Million bis 50 000) aufgezählt: New-York, Warschau, Budapest, Wien, Lodz, London, Odessa, Berlin, Saloniki, Philadelphia, Konstantinopel, Wilna, Chicago, Amsterdam, Paris, Kischinew, Minsk, Tunis, Jerusalem, Berdischew. — x — Spaniolischer Aufstieg? Die kleine Spaniolenkonferenz vom Sonntag war ein Labsal nach den ins Kongreßprotokoll hineingesprochenen Reden des „Parlaments". Hier fehlte die demoralisierende Wirkung, die das Publikum der Delegierten und anderer „Öffentlichkeit" auf die Volkstribunen ausübt. Freilich, meine Gelüste nach Exotik kamen bei diesen Spaniolen nicht auf ihre Rechnung. Diese paar Dutzend Intelligenten haben nichts Bodenständiges mehr" an sich, — sogar der berühmte Langschädel fehlte zumeist, und der einzige Jid, der da saß in der traditionellen Tracht, hat nicht geredet. Die Konferenz ist einberufen worden von dem Verein spaniolischer Studenten „Esperanza" in Wien. Es sind unter diesen jungen Leuten einige, die sich mit festen Füßen in ihre kleine, heute so mannigfach gefährdete kulturelle Gemeinschaft hineingestellt haben. Sie wissen, daß die 5—700 000 (?) spaniolischer Juden ihre besonderen ökonomischen, sozialen, kulturellen und politischen Probleme haben, und sind dem Standpunkte der Golusbejahung, wie er in der ,Freistatt' vertreten wird, sehr nahe, haben sich merkwürdig radikal von der zionistischen Ideologie emanzipiert. Sie fühlen ähnlich, wie das heute nur viel intensiver von der ostjüdischen Jugend verspürt wird, daß ihr, der spaniolische Golus, seine Tendenz in sich selbst hat; eine eigene, noch immer sichtbare Tendenz: daß aus dem nicht breiten Bett des Golus, in dem ihre ökonomische und kulturelle Entwicklung verläuft, kaum eine enge Bahn nach Palästina abzweigt. Sie ahnen die ganze Gefahr, die ihrer Gegenwartsarbeit durch jede Verknüpfung mit zionistischen Zielsetzungen droht; ahnen, daß die Kraft der Spaniolen im besten Falle für die Lösung ihrer eigenen Gegenwarts- und Zukunftsaufgaben ausreicht und fühlen sich durch den Aderlaß, den auch unter ihnen die zionistische Ideologie angerichtet hat, ernstlich bedroht Nun weiß ich nicht, ob ich in der Wiener Spaniolenkonferenz ein Bild im Kleinen von der Zusammensetzung der sfardischen Intelligenz empfangen habe. Das waren dort, abgesehen von den paar askenasischen Rabbinern, fast ausschließlich Zionisten, die sich sehr nebenher ihrer spaniolischen Herkunft besannen. Einer von ihnen hat in der ,Zeitung des Zionisten', Nr. 39, einen Bericht von der Tagung gegeben, aus dem

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