Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 6-7 (8.10.1913)
- Article
- A tfile͏̈.
- Date
- 1913-10-08
- Page
- Seite 399 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 79% known words query
- IRI
…/3119801-3119802-3119808-3120739--0711-3120857- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
398 Jiddische Dichtung. VI. Morris Rosenfeld, Blick nieder aus den Himmeln, und ruf »Genug!* hernieder. „Verschwindet schon, ihr Bösent laßt ab von meinen Kindern, und martert sie nicht mehr!" — Der du im Himmel thronest! *) Jerusalem erneuer', o öffne seine Pforten, und führe uns zu ihnen, in unsre alte Stadt! Nach ihr steht unser Sehnen, nach ihr, nach unsrer Heimat, nach Ruhe ohne Schrecken, und ohne Leid und Qualen, und ohne Pein und Spott. — O Gott, der du verzeihest! *) Wir taten deine Sendung, und trugen deine Lehren, und haben Licht verbreitet, o sieh doch, was wir sind! O zeig' uns dein Erbarmen, und rett' uns aus Gefahren und hüt' uns vor'm Verderben, o gib uns scho-i zu eigen, dein Land, dein süßes LandlJ *) Hebr. Zitate, 8. JidSsh. Ir fregt, ci Jidesh iz a shprach, Gramatesh yn negidesh — Ech ken äch zfign nor ejn zach: Dem Jidns shprach iz Jidesh! Cy zychn, ligt nisht in män fach, Fyn wanen werter shtamgn — Ech wejs nor, ech hob Hb män shprach, Dus lflshn fyn män mamen. Ot wi zi hot göredt cy mir Azoj red ech acynder, Far mir iz Jidesh grojs ön shir Yn wynder iber wynder. In Jidesh troumt man ür'mer Jid, Wüs tojg mir j6der pshetl? — In Jidesh klingt „ShylamgsMid, In Jidesh redt män BShtetl\ Män „Mir'l Efros* redt wZhargon\ Män „Bontshe* „shwägt* in Jidesh. Yn bejdg shtejen ojbn-ßn Yn zenen shejn, a chidesh! Wi fän düs jidesh1 kind zech shpilt Mit zäne wäse „cejndajech*! Wi shejn män .Krymer Fishkg* shilt; #A bjoch in zäne bejndajech!* Wi Hb män mames nign klingt Fyn jenem wäsn cigale, Wüs redt in Jidösh yn wös brengt A himl in dgm wigale. In Jidesh krechct mir di fabrik, In Jidesh rousht män kine, Wen falshe fräkejt trabt cyrik Man Jid fyn ir medine. Es m6gn g£bn ynzere ,pnej* Far ynzer shprach a groshn. Mir lachn zech ale ous fyn zej Yn redn mame-lüshnl [Jiddisch. — Ihr fragt, ob Jüdisch eine Sprache von Adel und Grammatik — ich kann euch eins nur sagen: Des Juden Sprache ist Jüdisch. — S* ist nicht mein Fach, nach Wörterstamm zu forschen. Ich weiß nur; Meine Sprache lieb ich, die Sprache meiner Mutter. — Wie sie zu mir gesprochen hat, ist jetzt auch meine Sptache. Und ohne Gleichen wunderbar ist Jüdisch mir, erhaben. — Auf Jüdisch träumt mein armer Jude. Was sollen alle Worte? Auf Jüdisch klingt das „Sulamith*- Lied!) und Jüdisch spricht mein „Städtchen* 2». _ Mein „Mirale Efros* 3) spricht „Jargon*, mein „Bontsche* r schweigt* 4) auf Jüdisch. Wie edel beide und wunderschön auf ihrem Ehrenplatze! — Wie spielt so süß das jüdische Kind mit seinen weißen „Tschähnchen* 5H Wie schön mein „Lahmer Fischke* 6) flucht: „1 scherbjechen möden seine Tnochen!" 7) Wie traut klingt meiner Mutter Lied, von jenem weißen Ziegelein. Es spricht auf Jüdisch und es bringt den Himmel in das Wiegelein. — Auf Jüdisch stöhnt mär die Fabrik, auf Jüdisch rauscht mein Klagelied, wenn falsche Freiheit jagt zurück aus ihrem Land den Juden. — Es mögen unsre „Großen* nur verachten unsere Sprache. Wir lachen und kümmern uns nicht um sie und sprechen die Muttersprache!] 1) Aus A. Goldfadens Oper. 2) Von Sch. Asch. Z) Drama von J. Gordin. 4) „Bontsche- Schweig", Erzählung von J. L. Perez, 5) Zähnchen* 6) Erzählung von Mendale Mojcher- Sfürem 7) Zerbrechen mögen seine Knochen! (Ausgciu* v, Salomo Birnbaum.}