Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 6-7 (8.10.1913)
- Article
- Érd.
- Date
- 1913-10-08
- Page
- Seite 397 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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396 Jiddische Dichtung. VI. Morris Rosenfeld Yn nor macejwes zügn, wüs dy host farc6rt; Farsholtn wolt ech dech, o, dy marshas, Farflycht din shtojb mit wejt€g yn mit kas. Nor wi zol ech farshiltn dech acind, Az in dän shwarcn byzem ryt man kind? Farshlyngen hosty, wej, dem zisn blik — In w6mes lecht es hot getront man glik, Wüs iz ict ojch nit m£r wi 6rd a shtik. [Erde. — Verfluchte Fresserin, du schlimme Erde, die gierig alles schlingt und nur die Qual lebendig läßt, in deren großem Bauche alles zerstört wird; Grabsteine sagen nur, was du verzehrtest; verfluchen möcht* ich dich, du Wüterin, verfluchen deinen Staub voll Weh und Zorn — wie aber könnte ich dir jetzt noch fluchen? In deinem schwarzen Busen ruht mein Kind* Verschlungen, weh, hast du den süßen Blick, in dessen Licht mein Glück gewohnt hat und das jetzt auch nicht mehr als Erde ist.] 5. Ech shtraik. A sof zol düs nemen mit nüdl yn sh£rl Ech bin mer kejn shnäder; ech arbet nit m€rl Ech ty mer kejn shnit nit; ech ty mer kejn shtoch, — Geendikt an ejsek yn chapt es a broch! Ech arbet yn arbet alc, zat ech gedenk, Yn wüs hob ech üpgeshpfirt, fr6gt mech: A krenk. Wi lang iz der shir cy farbläbn a ferd? Ech arbet nit lenger yn gejt es in dr £rd! Mön zügt, 6s iz dfl acind arbet lerow, — Wüs helft düs? Ech bläb alc der zelber balchojw. Ech arb^t yn arbet, yn wejst ir cy wüs? Cy shpäzn a „sweater*, a lumpikn „boss". 0, zät ech bin shnäder, hob ech shojn cynejt A jam mit malbyshem, a weit shojn baklejdt — Nor wüs kymt arous, cy ech nej, cy ech stop, A srejfe m£g kymen alc ejns of der „shop"! [Ich streike. — Zu Ende soll's sein mit Nadel und Scheerel Ich will kein Schneider mehr sein, ich arbeite nicht mehr! Keinen einzigen Schnitt, keinen einzigen Stich — zu Ende einmal und zum Teufel damit! — Ich arbeit' ohne Unterlaß, so lang ich mich erinnern kann. Und was hab' ich mir zusammengespart? Nichts, 0 Wie lang soll ich schuften noch wie ein Vieh? Ich arbeite nicht weiter, zur Hölle damit! — Man sagt, es gäbe jetzt Arbeit viel — was hilfts? Ich komm* von den Schulden nicht los. Ich arbeite ewig, und wißt ihr, wozu? Einen »Sweater" 2j zu nähren, einen gemeinen „Boss** z> — O, seit ich Schneider bin, nähte ich schon ein Meer von Kleidern für unzählige Menschen — was hab* ich vom Nähen, was hab' ich vom Schaffen — verdammt soll sein die Fabrik I] 1) Unübersetzbar: „Krenk* heißt zugleich »Krankheit" und übertragen „Nichts" oder »Wenig-. 2) „Schwitzmeister" (beim „Schwitzsystemder amerikanischen Industrie.) 3, Meister, Herr* 6« Der mabl. Wi lang yn wi wild iz der shreklecher mabl I Es roushn mit ejmes Di mechtike shtromen, es placn di wolkn Yn fyn di t'hojmes Derwachn mit groul yn farnichtyng, wi shejdem, Di hastikg wein; Es kenen kejn berg yn kejn rizike torfims In w6g zech zej shteln! Men zet nit kejn zyn, kejn lgwüne, kejn shter'n, A shwarcg mehyme