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Die Freistatt · 1913-10-08 · Heft 6-7 (8.10.1913) · p. Seite 393

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 6-7 (8.10.1913)
Article
Joseph und Potiphars Weib
Date
1913-10-08
Page
Seite 393 (sequence 1)
Language
German
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392 Verse Verse. Paul Mayer Joseph und Potlphars Weib Sie bot sich ihm in ihren Blicken dar, Der Knabe hatte noch kein Weib erkannt Da löste sie für ihn ihr Balsamhaar, In das sie blaue Lotosblüten wand. Doch als des Reifens Zeit gekommen war, Da nahm sie lächelnd des Geliebten Hand Und preßte sie auf ihrer Brüste Paar, Sie bebte, als ihm das Besinnen schwand. Von ihren Gliedern warf sie die Gewänder, Es züngelte ihr Mund in seinem Ohr; Doch als sie ihn zur letzten Lust beschwor, Barg er sein Antlitz in der Hände Schale Und lief zerstört bis an der Wüste Ränder Und hörte nicht das Heulen der Schakale. Abisag Die Trauben bluteten in allen Keltern, Es war die Zeit, da schon der Abend lohte, Da kam ein Reiter, König Davids Bote, Der sah sie an und ging zu ihren Eltern. Sie lauschte draußen, bleich wie eine Tote Schien ihr die Mutter, die aus Holzbehältern Dem Fremden Weinmost bot und weiße Brote. Der Vater schwieg. Dann ging's auf zahmen Zeltern Im scharfen Ritt durch Steingeröll und Lehm, Verarmte Dörfer und versengten Wald. Sie hielt sich in der Mähne eingekrallt, Und zitternd hörte sie die Tiere wimmern; Der Mond stieg auf. In tausend Lichtern schimmern Sah sie die Stadt des Herrn: Jerusalem.

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