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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 342

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Vom Mitleid und von Mäzenaten
Date
1913-08-22
Page
Seite 342 (sequence 2)
Language
German
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Vom jüdischen Leben und Schaffen. 341 genten Leser"? Da konnte er die Prophezeiung nicht mehr unterdrücken und rief aus: — Das Blatt wird nicht bestehen!„ „ , . . Ja wirklich, wie soll das Herz des „Rasßwjet", das voll Liebe für Jiddisch ist, nicht Schmerz empfinden, wenn man sieht, wie „Di jideshe weit" — — — liegen bleibt, wie sie keiner auch nur in die Hand nimmt . . „Als wir diese herzzerreißenden Zeilen unseres intelligenten Jeremias lasen, da fühlten wir das Bedürfnis, sein Weh zu lindern und sein Gemüt zu trösten. Doch womit können wir ihn trösten? Nur mit einem: Wenn auch unsere arme ,Jargons-Literatur leider keine Leser besitzt, so hat sie doch eine stattliche Zahl ergebener „prinzipieller" Verehrer. Das sind große Wohltäter. Sie erhalten sie und ernähren ihre Schriftstellen Ein Teil dieser Wohltäter, heilige Menschen, große Idealisten, vereinigten sich unlängst zu einer Liga, um die „Jargon"-Autoren so viel als möglich zu unterstützen. „Zentral" ist der Name dieses philantropischen Ordens. *) Dank der großen Opfer, die er und seine Abteilungen auf dem Altar der „Jargon"-Literatur brachten, erschienen in der letzten Zeit im „Jargon" die Werke „Shnejers und anderer", d. h. die Werke von Mendale, Moicher-Sfurim (17 Bände), J. L. Perez (vorläufig 10 oder 11 Bände), Schülern-Alejchem (12 Bände), Schülern Asch (8 Bände), Hillel Zeitlin (2 Bände), Ch. N. Bialik (1 Band), David Pinski (2 Bände), Balmachschuwes (2 Bände), Abraham Rejsen (6 Bände), M. Spektor (3 Bände), M, J. Berdijczewsky (2 Bände), Waißenberg (4 Bände) ... Im Katalog dieses „Jargon"-Mäzenatentrustes findet man weitere Information. Die heilige Vereinigung hat übrigens auch in Amerika eine Abteilung — sogar im Lande des Busineß existierten, wie man sieht, einige Mäzenaten des „Jargons" —, welche die Werke von Morris Rosenfeld (6 Bände), Jehojesch, Dr. Shitlowski („Die Philosophie"), Uebersetzungen von Shakespeare, Tolstoi, Longfellon, Mill nebst vielen anderen „zufälligen Erscheinungen" herausgab. Selbstverständlich denken alle diese Herausgeber gar nicht an den Profit (wozu brauchten sie den?), sie wollen ja nur die paar „prinzipiellen Leser" befriedigen, „die aus Neugierde manchmal einen Blick in ein Jargon-Büchlein werfen". Es bekümmert sie nicht, daß die Bücher auf den Bücherbrettern liegen bleiben, wenn sie nur ihre Pflicht getan haben: Sie ließen sie erscheinen . . . Was „Di jideshe weit" betrifft, so wird sie, wie man weiß, so „gut" und „schön" herausgegeben, daß sie natürlich außer „prinzipiellen" keine anderen Leser haben kann. Jeden Monat aber finden sich gute Menschen, vermutlich wieder dieselben Idealisten und Philanthropen, die nicht wollen, daß sich Herausgeber und Mitarbeiter kränken; sie kaufen also ungefähr fünftausend Exemplare eines jeden Heftes ab: Damit wir naiven, bedauernswerten Mitarbeiter des Journals die Illusion haben, man läse uns . . . Einige von uns haben wirklich diese Illusion; aber auch die Nüchternen trösten sich damit, daß es heutzutage Menschen gibt, die nur um der gottgefälligen Tat willen 5000 Exemplare eines Buches kaufen, das sie nicht brauchen . . , Ein Stückchen Trost ist's doch!" ._ -n. *) Zentral ist ein kaufmännischer Zusammenschluß der wichtigsten jiddischen Verlage,

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