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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 341

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Die Legende von der "ostjüdischen" Kultur
Date
1913-08-22
Page
Seite 341 (sequence 2)
Language
German
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340 Vom jüdischen Leben und Schaffen mähliche Auflösung, dann habe man (das sollen wir Alljuden sein) den Mut, den Auflösungsprozeß zu beschleunigen, oder aber radikalen Bruch mit dem Oaluth und letzter Heldenkampf für die Wiedergeburt des jüdischen Volkes im Lande der Väter." Nun ja, diese Zeilen sind nicht geschrieben, um sich mit uns ernsthaft auseinanderzusetzen, sie sind hingeschmiert, um die braven Leser der „Welt" zu beruhigen. Wenn man daher — etwas variiert — mit Pasmänik fragt: „Woher wissen wir denn, wo die wirkliche Potenz des Judentums verborgen ist, — im „russischistischen" Schriftsteller oder im jemenitischen Arbeiter?" so steht es nach der Lektüre obigen Aufsatzes außer Zweifel, daß der jemenitische Arbeiter der bei weitem wichtigere von beiden ist Isaac Deutsch. Vom Mitleid und von Mäzenaten, In einem Artikel des russisch-zionistischen „Rasßwjet" (Nr, 22) und in einem der „Welt" (Nr. 29) finden sich zwei Stellen, die fast übereinstim mend lauten. In der „Welt" heißt es: „Und eine so vornehme Zeitschrift (seil in jiddischer Sprache) wie „Die jiddische Welt", ist bloß ein Kunstprodukt der „Intelligenzler, das der Masse immer fremd bleiben wird." Und der Artikelschreiber im „Rasßwjet" findet, daß „Di jideshe weit" „die so schön herausgegeben und aufmerksam redigiert wird", „von der jedes Heft eine große Kulturschöpfung ist", „gar keine soziale Bedeutung hat", und daß „sie nicht bestehen wird", „daß die ganze Mühe und Energie" „kein Feld befruchten und keine Spur im Leben des russischen Judentums zurücklassen wird". „Di jideshe weit" antwortete dem „Rasßwjet" in ihrer Juninummer (der Artikel in der „Welt" war noch nicht erschienen). Diese Antwort soll hier auszugsweise gebracht werden: „Das zionistische offiziöse" Blatt hat, wie gesagt, nicht nur für „Di jideshe weit" Mitleid. Sein junger barmherziger Mitarbeiter hat den armen „Jargon" lange und eingehend studiert und weiß daher, daß noch vor der „Jüdischen Welt" die Werke „Shnejers und anderer" (ihrer Namen erinnert er sich nicht) erschienen sind. Die waren nebbich auch schrecklich zu bemitleiden, denn von den Intelligenten, bei denen der einzige „Schlüssel zu ihrer I n teil igen theit" die russische Sprache ist, wurden sie nicht gelesen. Aber das war noch erträglich, die Werke „Shnejers und anderer" (wenn wir das Rätsel des gelehrten Verfassers erraten haben, sind die „anderen" — Mendale Mojcher-Sfürim, Perez, Schulem-Alejchem, Asch, Nomberg, Waißenberg, Rejsen, Jehojesch, Pinski, Morris Rosenfeld, Dr. Shitlowski, Balmachschuwes, Hillel Zeitlin, David Frischman, NT. Sokolow usw. usw.) — alle diese Bücher waren, wie der Literarhistoriker des „Rasßwjet" erzählt, nur „zufällige Ausgaben". Auch von der „Jüdischen Welt" konnte man noch immer hoffen, daß sie nur eine z u - fällige Sache sei; nun ist aber bereits das fünfte Heft erschienen; da kam dem „gelehrten Juden" des Iwris-oj-rysis-Organs (hebräisch-oderrussisch) ein trauriger Gedanke: Vielleicht ist es in der Tat nicht mehr zufälliger, sondern „systematischer, periodischer Lesestoff für den intelli-

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