Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- Und Gott sah, daß es gut war
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 338 (sequence 2)
- Language
- German
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Vom jüdischen Leben und Schaffen. 337 und man erwartet laut Zirkular, daß nunmehr mit Tatkraft in Begeisterung gemacht werden wird* Denn der höchste Lohn ist zugesagt: Irgend ein verschnupfter Sekretär wird die eingegangenen Adressen mit unverständlicher Stimme herunterschnurren, und der Kongreß wird an den geeigneten Stellen Hedad schreien» Bei besonders hohen Beträgen wird sogar die Hatikwah angestimmt. Begeisterung rentiert sich noch immer; es fragt sich nur, für wen. jsaac Deutsch. Die Zukunft Salonikis. Man hat in letzter Zeit in der jüdischen Presse viel über Saloniki gelesen. Meist Anekdoten, darunter solche, die besonders auf zionistischer Seite — wenn auch nur ein Zehntel von ihnen wahr ist — Aufmerksamkeit erregen und Fragen hätten wecken müssen. So die Nachricht, daß mehrere Tausend Juden Salonikis der spanischen Regierung Naturalisationsgesuche unterbreitet hätten. Von Meldungen nach Palästina, die man eher hätte erwarten dürfen, verlautete dagegen nichts. Wenn der kommende Wiener Kongreß sich unter dem Eindruck der letzten Ereignisse auch ein wenig mit Saloniki beschäftigen wird, so wird das für den Zionismus ein Novum sein, dessen Folgen sich so leicht nicht überblicken lassen. Tatsache ist, daß sich die Organisation um Saloniki bisher überhaupt nicht gekümmert hat. Was drüben an zionistischen Werten existiert, ist das mühevolle Werk einzelner Männer, meistens Palästinenser, die an dortigen Schulen oder in der dortigen Presse wirken. Es ist von Seiten der Leitung der Juden Salonikis nicht die geringste Propaganda gemacht worden. Von einem ganz kleinen Kreise abgesehen, weiß man in Saloniki nichts, gar nichts vom Zionismus, Geht das so weiter, so läßt sich die zukünftige Entwicklung des Judentums dort unten ohne Schwierigkeit voraussagen* Die Juden Salonikis werden sich mehr und mehr nach Europa, — und damit auch nach dem europäischen Judentum orientieren und werden bald Emanzipation und Assimilation ebenfalls zu ihren Götzen machen, auf deren Altaren sie ihr jüdisches Volkstum opfern. Man lasse sich nicht von Nachrichten in der „Welt" täuschen, die vom Wachsen der national-jüdischen Idee in Saloniki sprechen. Wer die Verhältnisse kennt, weiß, was er davon zu halten hat Gewiß arbeitet der tapfere kleine Turnverein mit unnachahmlicher Bravour, aber was will er bedeuten, wo es gilt eine Bevölkerung von über 70 000 Juden zu beeinflussen. Bis jetzt hat der Zionismus in Saloniki hinter der Alliance und dem Hilfsverein zurückgestanden. Wenn gute zionistische Arbeit drüben geleistet worden ist, so darf man sie eigentlich für den Zionismus gar nicht in Anspruch nehmen. Hieße es nicht, ihn bei der großen Herde der Zentralvereinsjuden anschwärzen, so würde man gern dem Hilfsverein die Palme zionistischer Arbeit zuerkennen. Es entspricht nicht der Auffassung der meisten Zionisten, sich zu freuen, wenn nur die anderen zionistisch arbeiten. Die Zionisten in Sa-