Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- *** / Einhorn, David
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 331 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
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330_Jiddische Diehtung V, Püwed Ejnhor'n dann zu deiner Schwelle komme und krank lür meine Glieder Ruhe suche, werde ich für einen Winkel und Essen dir dienen, ohne zu wissen, wem. Und bleiben und fragen: Werde ich finden?] 5 * * **• * Cy wejst zi den, wy ech derman zi, Cy z£t zi in ir chulem ict: A shlüfikn wokzal, a grojsn, A pystn palac in der weit; Yn mech lim 6m alejn in drousn, Ir nfimen shtamlendik far kelt Gläch wi an üpgerisn bletl, Wüs trügt zech zychndik zän bojm, Gläch wi a Wanderer, wüs shtamlt In w£g dem nümen fyn zän hejm. O, morgenrojt fyn wätn mizrech, Dy dringst doch ymedym arän, Gefin düs fenster fyn män Hbster Yn breng män g'rys k mit dän shäu, Yn ojb zi shlüft — a wäser firhang Farshtelt ir fenster'l gewis — Dan citer yf in zäne falbn Yn zol der citer zän mit g'ris, Yn efsher iz zi wach? — Ir bübg Fl6g ojchet yfshtejn mit dän lecht Yn fyn an altn korbn-minche, Cy Got a tfile ftpgerecht Yn efsher iz zi ict mispalel Cym tifn trouer, wfis in mir, Dan glitsh zech derch derch ire lokn Yn shter di tfile nisht in ir, [Weiß sie, wo ich ihrer gedenke, sieht sie in ihrem Traume jetzt: Einen großen schläfrigen Bahnhof, einen öden Palast; und draußen neben ihm mich aHein, ihren Namen vor Kälte stammelnd. — Wie ein abgerissenes Blatt, das umherschwebt und seinen Baum sucht; wie ein Wanderer, der auf dem Wege den Namen seiner Heimat stammelt- — O, Morgenrot des fernen Ostens, du dringst ja überall hinein: Finde meiner Geliebten Fenster und bring ihr meinen Gruß mit deinem Schein. — Und wenn sie schläft — ein weißer Vorhang verhüllt gewiß ihr Fensterchen — dann zeig dich zitternd in den Falten und möge das mein Grüßen sein. — Und wenn sie wach ist? — ihr Großmütterchen stand auch mit deinem Lichte immer auf und schickte aus dem alten Betbuch ein Gebet zu Gott. — Und viereicht betet sie jetzt zu der tiefen Trauer in min Dann schlüpfe still durch ihre Locken und stör nicht das Gebet in ihr.] 6. BStüchn. A shtilä nacht. A shter'n falt Fyn himl tif Yn wert nisht bald. Ech hejb män ojg Yn bejg mdn kop; Min hiter wacht Yn hit mech üp; Män hiter wacht, Man hiter wacht. Yn shikt zan g'rys Mir derch der nacht. Der weg iz wät Yn ech bin mid; Di shtile nacht, Zi zingt ir lid. Fartrou dan kop Man shtiln shojs Yn shlüf, yn shlüf, Of morgn hof: Ddn weg cym sof Jz wät yn grojs. [Vertrauen — Eine stille Nacht Ein Stern fällt hoch vom Himmel und verschwindet schnell. Ich hebe mein Auge, ich neige mein Haupt. Mein Hüter wacht und hütet mich. Mein Hüter wacht, mein Hüter wacht und schickt mir seinen Gruß durch die Nacht. — Der Weg ist lang und ich bin müde. Es singt die stille Nacht ihr Lied. — Vertraue meinem stillen Schoß dein Haupt und schlafe, schlafe, hoffe auf morgen: Dein Weg zum Ende ist lange und weit] (Ausgew. v. Salome Birnbaum).