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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 330

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Mir weln farblábn in shyl.
Date
1913-08-22
Page
Seite 330 (sequence 2)
Language
German
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Jiddische Dichtung V, Düwed Ejnhor'n. 329 Yn wen es wet kymen fyn Shabes dikale, Dan zolsty farmädn gewejn. Män kind! Men tür nisht batribn, Zi iz ynz geblibn Der ejnciker fränt fyn amfil. Mir wein farbläbn in shyl. Di shyl darf kejn ojlem fyn touznter mentshn; Fyn ejbik ün hitn jechidem ir pracht. Zi wet, wi a mame, ynz tyljgn yn benishn, Biz wanen s wet kymen di ejbike nacht. Män kind! Nüch ynz wein zing&i di fejgalech shire, Der nachtwind, er wet ynz bawejnen in chcos. Farnacht, in der shän fyn di perperne shtraln, Wet sojden shtil Nile a trykene gröz. Mir wein farbläbn in shyl..... [Wir werden in der Schul zurückbleiben. — Wir werden in der Schul zurückbleiben, — Bis die Tritte des Letzten in der Ferne verschwinden werden und der Wind das ewige Licht verlöscht Dann werden wir es wieder anzünden. Mein Kind! Es darf nicht erlöschen, man darf nicht vergessen» der Herrlichkeit des Volkes ein Jahrzeitlicht zu entzünden — Wir werden in der Schul zurückbleiben. — Und morgens, tags und abends werden wir beten und bitten, zurückgeblieben von allen allein. Und wenn die Sabbatbraut kommen wird, dann sollst du nicht weinen. Mein Kind! Man darf sie nicht betrüben, sie ist uns die einzige Freundin von früher geblieben. — Wir werden in der Schul zurückbleiben. — Die Schul, sie braucht nicht tausende Menschen. Seit Ewigkeit hüten wenige ihre Pracht. Sie wird uns wie eine Mutter kosen und segnen, bis kommen wird die ewige Nacht. Mein Kind! Die Vöglein werden nach uns singen, der Wind wird uns um Mitternacht beweinen. Am Abend wird im Schein der Purpurstrahlen ein dürrer Grashalm geheimnisvoll leise Nile sagen. — Wir werden in der Schul zurückbleiben. 4 * * * Gßgröjt mitn wanderershtekn dö shtej ech Farlozn. Es fregt mech nisht kejner, wy gej ech. Yn gläch wi a fojgl, wüs cit zech cym dörem, Cyshprejt ech cy dir in män benkshaft dem urem Yn ryf dech bahaltn ba mir in män zinen: Cy wel ech gefinen? Ech hob däne trit ofn grüz, ofn wejchn Ba mir in man gürtn genymen far cejchn. Wüs wäter, wüs wäter hob ech zej farlor'n. Du shlenglt a tächl, du chwaljet zech kor'n — Ech shtej, biz es hejbn mir trer'n ün rinen: Cy wel ech gefinen? Wer wejst, wy män ymendlich weg wet mech fir*n, Yn blonzhendik, kon ech dän bild noch farlii'n, Yn kymendik wen cy dän shwel shojn a mider, A kranker, cy zychn a ry far di glider, Wel ech far a winkl far esn dir dinen, Nisht wisndik weinen. Yn bläbn,yn fregn; Cy wel ech gefinen? [Bereit, mit dem Wanderstabe stehe ich hier, verlassen. Keiner fragt mich, wohin ich gehe. Wie zum Süd ein Vogel strebt, so breite ich zu dir in meiner Sehnsucht die Arme aus udn rufe dich, in mir, verborgen: Werde ich finden? — Ich habe deine Spuren auf dem weichen Rasen meines Gartens zu Führern genommen. Doch immer mehr verlor ich sie. Hier windet sich ein Bach, da liegt das Korn in Wellen — ich stehe bis die Tränen kommen; Werde ich finden? — Wer weiß, wohin mich mein endloser Weg noch führt: Und wenn ich irre, kann ich noch dein Bild verHeren. Und wenn ich müde,

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