Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- Cwishn di zange͏̈n.
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 329 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 81% known words query
- IRI
…/3119801-3119802-3119807-3120556--0566-3120676- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
328 Jiddische Dichtung V, Düwed Ejnhor'n Der alter w&t shtoicer, fargliwert yn shtym. Es shlaichn nionachn farwiklt in wäsn, Es cijen zech mügere finger yn räsn Ymsh>ldike liljen fyit touikn grüz. Di shw£rd hot dergrejcht biz der bryst fyn dem altn, Es rykt zech zin bryst cy dem sharf, cy dem kaltn, Di lipn, ze] flychn dem shwarcns gebot. Es shimert düs blyt of di Hljän, di wäse, Es eitert der klojster fyn ieetn „Echod!" Di nacht iz arfip Yn farloshn di shtraln, — Düs bild iz farshwyndn. Lern mir of a zang Hot shtil zech cyfinklt a tropn, a klürer Yn kykt of mir eint yu kykt of mir bang. Yn erggz fyn wätn dergrejcht mech a bas-kol Azoj wi an echo. Mir ducht, az ech h6r: Zych wäter dän hejm dir; Nisht dfl westy ryen, Wy s trügn zech tfiles Barn glanc fyn gewer, Wy jetweder klang iz dän zejdns a klflle Yn jetweder tropn dän zejdns a trer* [Zwischen den Aehren. — Zwischen den Aehren such ich von Trauer gefangen einen Pfad zu einem Heim Die Sonne ist vergangen. Es schweben Töne von der Kirche zu mir her und sprechen: „Bei uns ist ein Heim für dich. Es steht unser Turm vor Sturm geschützt von uralten Eichen; die hüten ihn gut. Wir werden dich wiegen, im Gras wirst du liegen, unsere Melodie wird dir den Traum der ewigen Ruhe weben * — Es schweigen die Klänge. Ich seh nur im Tale das goldene Kreuz. Es funkelt und flackert in brennendem Purpur und sprüht auf die Bäume Blat und Stahl In den Schatten, dort zwischen den Stämmen, scheint mir, steigtauf mit dem schimmernden Nebel ein Greis mit einem Stab in der Hand Die Augen voll Tränen, Blut auf der Stirne, erhebt er den Arm, als ob er sich wehrte gegen die weiße Kirchenwand Da scheints mir, als würde das Kirchtor sich öffnen; von ferne zeigen sich Reiter, voran einer in Schwarz gehüllt; wie eine Fackel flammt sein stählernes Schwert Orgeltöne er* klingen. — Der Alte zittert vor Schreck; es nähert sich ihm der Reiter. Der Mond wirft seinen Silberschein und zeigt ihm zwischen den Stämmen den Weg. — Töne erklingen, Lichter erglänzen. Die Fenster der Kirche erstrahlen rings. Der Schwarze erhebt sein Schwert gegen den Alten. Der Alte ei starrt in stummem Stolz Weißverhüllte Mönche schleichen; knochige Finger strecken sich aus und reißen unschuldige Lilien aus Tau und Gras. Das Schwert hat die Brust des Alten erreicht, sie reckt sich der kalten Schneide entgegen. Es fluchen die Lippen dem Gebote des Schwarzen, Auf den weißen Lilien schimmert das Blut — die Kirche erzittert vom letzten „Echod!" *) — Die Nacht kam nieder, verlöschte die Strahlen; das Bild ist verschwunden. Neben mir erschimmerte auf einer Aehre ein klarer Tropfen und blickte mich bange und verlassen an. Von ferne glaub ich die Stimme des Himmels wie Echo zu hören; Such weiter dein Heim. Hier wirst du nicht ruhen, wo Gebete ertönen beim Waffenglanz, wo jeder Klang ein Fluch deines Ahns und jeder Tropfen eine Träne deines Ahnen.] 3. Mir wein farbläbn in shyl. Mir wein farbläbn in shyl, Biz der trit fyn dem leetn in wät wet farshwtndn, Yn s wet dem ner-tömed farleshn der wint, Dan wein mir wider zän lechtl fincindn«, Man kind! Es tfir zech nisht leshn, Men tür nisht fargesn, Cy shteln a jürcät der shchine fyn folk. Mir wein farbläbn in shyL Yn Shachres, yn Minche, yn Märew far ale Dan wein mir dawnen yn betn alejn. *) Das „Shma": „Gott ist einzig."