Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- Der Heimatlose
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 326 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Max Brod, Verse. 325 Der Heimatlose. Ich fahre in eine Stadt, Wo niemand auf mich wartet. Niemand liebt mich dort, Und niemand hat mich satt Entsteige ich der Bahn, Geht niemand mir entgegen, Und kam* ich gar nicht an, Ich würde keinem fehlen. Man hat mich nicht geladen, Man hat mich nicht ausgelassen, Ich werde allen Gassen Nicht nützen und nicht schaden, Und werde Menschen seh'n Mit unerforschten Mienen, Vielleicht bedeuten Freude, Die mir unfreudig schienen. Wohleingefahr'ne Bahn, Ihr fremden Menschen alle, Wie ich euch überfalle, Was seht ihr mich nicht an? Ich werde sie überraschen Bei ihren Abendessen, Ich dringe ein vermessen Und trinke ihre Flaschen* Ich atme Lust und Pracht, Beschlafe ihre Betten, Am Denkmal in der Nacht Berühr' ich Eisenketten Und drehe mich verlegen, Weil ich nur einmal gehe, Wo alle in der Nähe Bei Tag sich täglich regen.--- Ist alles rätselhaft, So ist's mein Herz nicht minder, Es schlägt in eigner Kraft, Dröhnt oder klingt gelinder! Schon will es mich, gebannt Von leiser Pulse Schlagen, Aus fremder Häuserwand In tiefste Heimat tragen.