Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 4 (15.7.1913)
- Article
- Eine neue Montasschrift [Rezension]
- Date
- 1913-07-15
- Page
- Seite 258 (sequence 2)
- Language
- German
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Vom jüdischen Leben und Schaffen. 257 besondere Bedeutung. Unter den namhaften Persönlichkeiten, die als Mitarbeiter genannt werden, befinden sich auch der Historiker Sch. Dubnow und der Rechtsanwalt Sliosberg Das Archiv für jüdische Familienforschung* 'Wien VIII- Piaristengasse 2.) Es ist eine kleine Monatsschrift» die ich hier anzeige; ihre ersten drei Nummern liegen in zwei Heften vor, und man könnte darüber tagelang sprechen und von einem zum andern Ding gelangen, ohne der Sache untreu zu werden. Man sagt nicht umsonst, daß alle Juden verwandt sind und im Gespräch ihre gegenseitige Verwandtschaft so schnell entdecken können. Es ist kein Grund, darüber hämisch zu spötteln. Und hier in dem neuen Archiv wird diese Sache einmal von der wissenschaftlichen Seite angepackt. Gesteht man sich zu, daß keine der vielen Einzeldisziplinen der jüdischen Wissenschaft auf einer besonders hohen Stufe angelangt ist, weil überall die Mittel und Kräfte fehlen, so muß man das Unternehmen dieses Archivs doppelt freudig begrüßen, weil es ein fast jungfräuliches Gebiet durch neue Kenntnisse erweiterte Der Inhalt der beiden ersten Hefte läßt das Beste erwarten. Die Genealogie wird weniger um ihrer selbst willen getrieben; sie wird angewandt; denn sie allein kann die Probleme der Mischehe und Inzucht durch ihr Material einer einsichtsvollen Lösung nahe bringen. Sind die häufigen Verwandtenehen unter den Juden wirklich so verhängnissvoll, wie man hört? Ist ihnen der hohe Prozentsatz an Geisteskranken zuzuschreiben? Ergibt sich das zweifelsohne? Denn bisher war man auf Vermutungen zumeist angewiesen. Ebenso über die Leistungen der freiwilligen und gezwungenen Täuflinge. Wenn es aber gelingt, die Täuflinge (wie man sagt) evident zu halten, so gewinnt man leicht ein Maß für den Wert der Kräfte, die die Judenheit verlor und an die Völker Europas abgab. Es wird dann ersichtlich sein, was von dem gewöhnlichen Gerede über das jüdische Schmarotzertum noch Wahrheit ist. Trefflich ergänzt sich diese vorwiegende Tendenz des Archivs durch die Absicht, der jüdischen Kunstgeschichte und dem jüdischen Museumswesen zu dienen Da sei besonders auf die Memoiren des Simeon von Geldern, Heinrich Heines Großoheims, hingewiesen, die, irre ich nicht, hier zum ersten Male dargeboten werden. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, von welcher Bedeutung diese Memoiren sind. Aus dem Inhalt will ich noch Kekules von Stradonitz Aufsatz erwähnen: „Wie Kaiser Wilhelm IL und Bernhard Dernburg mit einander verwandt sind * Georg Hecht. Vom jüdischen Leben und Schaffen. Die ostjüdischen Studenten im Westen. Bis jetzt war es wohl vor allem die Wanderungsbewegung der ostjüdischen Massen, die den jüdischen Osten und Westen miteinander in nähere Berührung brachte. Die zentrifugalen Kräfte, die diese beiden Teile sondern, bestehen zwar fort, doch treten immer mehr zentripetale auf, ohne indessen die