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Die Freistatt · 1913-07-15 · Heft 4 (15.7.1913) · p. Seite 257

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 4 (15.7.1913)
Article
Die "Jewish Encyclopedia" [Rezension]
Date
1913-07-15
Page
Seite 257 (sequence 2)
Language
German
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256 Bücherbesprechungen, fühlt, daß die meisten Mitarbeiter Juden und Judentum gar zu „historisch* nehmen. Und das sollte nicht einmal dort der Fall sein, wo es sich um Geschichte handelt. Wenn nun aber gar unsere eigene Zeit mit ihrem jüdischen Leben, in das wir selbst eingeflochten sind, in solchem Lichte dargeboten wird, dann muß in uns die Unzufriedenheit mit solcher Darstellung und die Ueberzeugung ihrer Unzulänglichkeit besonders stark werden. Die jüdische Gegenwart ist in der „J. E/ ziemlich spärlich behandelt. Nicht so sehr quantitativ als qualitativ. Dem Umfange nach müßte bei einer Zusammenfassung des heutigen wirklich jüdischen Lebens das Ostjudentum eigentlich noch mehr prävalieren, als es schon durch die nackte Tatsachenfülle geschieht. Doch davon abgesehen, erblicken wir da einen jüdischen Osten, wie wir ihn in einer populäreren Form etwa aus den Beschreibungen westjüdischer Familienblätter kennen, durch eine Brille, die jüdisches Leben nur verzerrt sehen kann, und in der sich Tatsachenberge wie Sandkörnchen ausnehmen. Was in die Spalten der „ J. E. * gelangt, erscheint, als wäre es im selben Augenblick gestorben. Irgendwie scheint es irgendwelchen apologetischen oder sonstwie unjüdisch verborgenen Zwecken und Gefühlen dienen zu wollen. Alles dieses kommt einem deutlich zu Bewußtsein, wenn man Stichproben anstellt und die Namen von heette lebenden Oestlern nachschlägt. Man entdeckt dann, abgesehen von der oben charakterisierten Art, wie die Aufgenommenen selbst behandelt werden, manche interessanten Lücken. So fehlen u. A.: Scholem Asch, Ben- Jehuda, Ch N. Bialik, Nathan Birnbaum Winawer, Hille! Zeitlin, die dort, wo von Oestlern Simon Bernfeld, Alfred Nossig, N, Sokolow, A. Tannenbaum, R Wiernik, L. Zamenhof etc. Platz fanden, wahrlich auch hätten unterkommen können. Besonders, wenn man sieht, daß von westjüdischer Seite so jüdisch-bedeutsame Männer wie Albert Farkas, Ludwig Fulda, Ludwig Geiger, Heinrich Glücksmann, Adolf Kohut, Julius Stettenheim, Heinrich Teweles, Joseph Unger, Ulla Wolf und tausend ähnliche mit offenen Armen aufgenommen wurden. x* Verlag B. A. Kletzkm, Wilna. Dieser jüngst gegründete Verlag entfaltet eine äußerst fruchtbare, kulturelle Tätigkeit und steht schon jetzt ohne Zweifel an der Spitze der jüdischen Verlagsanstalten in Rußland. Die von ihm herausgegebene Monatsschrift: „Die jüdische Welt* wurde bereits im III Heft der Freistatt besprochen. Zu erwähnen ist daneben das groß angelegte Sammelbuch: „Der Pinkoß", ein Jahrbuch für die Geschichte der jiddischen Literatur und Sprache, für Folklor, Kritik und Bibliographie. Die Neuerscheinungen des Verlags sind unter dem „Büchereinlauf * in diesem Heft verzeichnet Sie sind durchweg buchtechnisch sehr gut ausgestattet. Eine neue Monatsschrift. In Petersburg beginnt eine Zeitschrift zu erscheinen unter dem Titel „Wjestnik awrejskoi obstschini" (Zeitschrift für jüdisches Gemeindewesen). Es ist zu bedauern, daß sie nicht in jiddischer Sprache herauskommt Denn die Fragen des Gemeindewesens, denen sie ausschließlich gewidmet ist, haben für das jüdische Leben in Rußland eine ganz

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