Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 4 (15.7.1913)
- Article
- Di myter cym kind. Folksmotiw.
- Date
- 1913-07-15
- Page
- Seite 255 (sequence 1)
- Language
- German
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254 Jiddische Dichtung IV, Awrüm Rejzn. 14. Di myter cym kind. Folksmotlw. Shlüi noch, shluf noch, Übe kind — Drousn iz a frost, a wint! Qot zol zech derbaremen, <3ot zol ynz derwarem&i. O der winter shrekt mech, shrekt — Lig, män kind, noch änggdekt! Shlüf noch» ürem fejgale, Efn nit dän ejgale. West derzen a kalte weit, Derch in wäsn üpgem61t — Hole in shtyb kejn shätale Yn kejn gelt in bätale, Nit gekocht yn nit gehejet, Kelt yn hynger drikt yn rejet. Shlüf, män kind, farfrojrene Ur eme, farlojrene! [Die Mutter zum Kind. Volksmotiv. — Schlaf noch, schlaf noch, liebes Kind! Draußen ist der Frost und Wind. Möge Gott sich erbarmen, möge Gott uns erwärmen. — O, der Winter ist voll Schreck 1 Lieg, mein Kind, noch zugedeckt. Schlaf noch, armes Vögelein, öffne nicht die Aeugelein. — Wirst die Welt, die kalte seh'n, ganz im eisigweißen Schnee. — Holz im Haus kein Stückchen und kein Geld im Beutelchen. — Nichts gekocht und nicht geheizt» Hunger drückt und Kälte beißt Schlaf, mein Kind, mein frierendes, mein armes, mein verlorenes!] 15. Die lecte stryne. Glojbn, hofenyng — fartribn, Fldl mäne, jümer hojch! Nor ejn stryne iz geblibn Yn di ejng plact bald ojeh! Ejder s plact, iz noch män wiln, Zolsty kriech dinön mir, Yn män ymglik hojch farshpiln Wi amül, of strynes fir. [Die letzte Saite. — Glauben, Hoffnung sind vertrieben, meine Geige, jammere laut! Eine Saite ist geblieben, bald wird springen diese auch* — Doch ich will, vor ihrem Springen, daß sie ehrlich diene mir. Sie soll laut mein Unglück singen, wie vorher auf allen vier.] 16. Sojdfis. Nisht alc hob ech äch ousgezügt, In lid, of dem papir — Oi, wyndn fil farborgene Zej lign noch in mir. Zej zenen sojdes angstleche, Ch hob äch zej nisht getrout, Zej zenen finster wi di nacht Yn grouzam wi der tojt. O, shtarbn wein zej mit mir, Ech wel zej nemen mit — Yn zol afile fr6gn Got, Em zügn wel ech nit. [Geheimnisse. — Ich hab nicht alles euch gesagt, im Lied, auf dem Papier — o, viele Wunden liegen noch verborgen tief in mir. — Es sind Geheimnisse voll Schreck; konnt's euch nicht anvertraun; sie sind wie Dunkelheit der Nacht und wie der Tod voll Grau'n. Sie werden sterben einst mit mir und tnitgehn ins Gericht, Und wenn Gott selber mich dann fragt — ich sage sie ihm nicht,] (Ausgew* v. Salomo Birnbaum),