Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 4 (15.7.1913)
- Article
- Shtér'n.
- Date
- 1913-07-15
- Page
- Seite 254 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Jiddische Dichtung IV, Awrüm Rejzn. 253 O, wi zol ech glejbn, Az di shter'n zänen Weltn? Iz den meglech, Weltn zoln shänen? Nejn! Zej woltn ouszen Finster, shwarc yn trou'rik, Yn der blüer himl Wolt gekykt wi shou'rik. Yn es wolt fyn dortn Zech gehert a tyml; Nit kejn regn — gisn Wolt zech blyt fyn himL [Sterne. — Hell leuchten am Himmel alle Sterne; daß sie Welten sind, erzählt man uns. — Ach wie soll ich's glauben, daß sie Welten sind? Ist*s denn möglich, daß Welten leuchten? — Nein! Finster, schwarz und traurig säh'n sie aus und der blaue Himmel blickte schaurig — Und es tönte Lärmgewirr herniederund statt Regens würde Blut vom Himmel strömen.} 12. Herbstnign. Der himl farcor'nt, Di wint'n, zej blüzn; Wy bästy, män bryder, Fargesn, farlozn? Wy bisty farworfn In wüs far a shtetl? G hosty a dire, Ci hosty a betl? Ech zi ofn himl Di wolkn, zej shwöbn, Yn ze ech zej shwSbn, Dän wejs ech dän lebn. Es dringen di klangen Fyn wint in män ojer; Es gist zech mir, bryder, In harcn dän trouer. [Herbstweise. — Der Himmel ist voll Zorn, die Winde stürmen. Wo bist du, mein Bruder, vergessen, verlassen? — Wohin bist du verschlagen, an welchen Ort? Hast du zu wohnen und hast du ein Bett? — Ich sehe am Himmel die Wolken schweben und sehe ich sie schweben, dann kenne ich dein Leben. — Es dringen die Töne des Windes mir ins Ohr: In mein Herz ergießt sich, Bruder, deine Trauer.] 13. Uremer I6bn. Uremer lebn! Nor shtendtk zech mater'n, Shtendik cy lebn in nojt, Kojchgs di jynge, di frishe cy pater'n, Zychndik trykenem brojt! Wügl'n yn wander'n! Wy tügn, nit nechtiken, Nechükn nit, wy gefügt! Her'n düs shpetn fyn bejz-nidertrechtikn, Shwägn — kejn wort nisht gezügt! Bykn zech, bejgn zech, niderik, niderik, Brechn dem kerper of halb; Redn tachnynem yn wejnendik, citerdik B6tn bam goldenem kalb! Libe yn glojbn yn shtrehyngen kraftike Fouln yn welkn in harc; Blymen fyn jygnt, di frishe, di zaftike WSr'n cytrotn of shwarc! [Armes Leben. — Armes Leben! Ewige Mühsal, ewig in Not zu leben» die jungen, frischen Kräfte zu vergeuden auf der Suche nach trockenem Brot! — Irren und wandern! Wo am Tage, nicht mehr in der Nacht, bei Nacht nicht mehr, wo bei Tage. Den Spott des Bösen und der Niedertracht zu hören — zu schweigen, kein Wort zu sagen! — Sich bücken und beugen, ganz tief, ganz tief, den Rücken sich zerbiegen; Erbarmen erflehen und weinend und zitternd beim goldenem Kalbe zu bitten! — Liebe und Glauben und kräftiges Verlangen faulen verwelkend im Herz; die frischen, saftigen Blüten der Jugend werden zertreten zu Schmutz!]