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Die Freistatt · 1913-07-15 · Heft 4 (15.7.1913) · p. Seite 253

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 4 (15.7.1913)
Article
Yme͏̈tik.
Date
1913-07-15
Page
Seite 253 (sequence 2)
Language
German
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252 Jiddische Dichtung IV, Awrüm Rejzn Der wfnt azoj trouerik brymt, — Yn s dacht mir, az Smgcer kymt. [Traurig. — Traurig, mein Kind, ist's, zu leben aliein, kannst du nicht kommen zu mir? Mein Zimmer ist arm und mein Zimmer ist klein, hat eine besondere Tür, aber niemand klopft an ihr. — Traurig, mein Leben, traurig und schwer. Und wenn der Abend kommt, dann sitz ich und blicke zur Tür und lausch, wie der Wind so traurig brummt, und glaube, daß jemand kommt] 8* * * Däng ojgn lächtn, finkl'n, Wen dy redst fyn näe cätn: Ale mentshn zat yn gliklech, Wen di ord'nyng wet zech bätn. Yn ech glejb in dän newijes, Doch in ojg mir shtejen trer'n, Ba der bester ord'nyng, libste, Westy alc nisht mir geh^r'n. [Deine Augen leuchten und strahlen, wenn du von neuen Zeiten redest: Alle Menschen werden satt und glücklich sein, wenn die Ordnung anders wird. — Was du prophezeiest, glaub ich; doch im Auge stehn mir Tränen. Trotz der besten Ordnung. Liebste, wirst du doch nicht mir gehören ] 9. In a shtiln tüg, Z£st dem grüen himl In a tug, a shtiln, Wi di chmare rykt zech, Foul, ün mut yn wiln. Koum es blüzt düs wintl, Koum es tritt der r£gn, Wi zej woltn shtarker Fouln zech baw6gn. Och, tarkilt yn machtloz, Wert düs gance 16bn, Wolt a dyner ejnmöl Chotsh a klap gegebn! [An einem stillen Tage. — Siehst du den grauen Himmel an einem Tag, an einem stillen, wenn die Wolken schleichen, träge, ohne Mut und Willen. — Kaum weht der Wind, kaum tröpfelt der Regen, als ob sie zu faul wären, sich schneller zu bewegen. — Ach, wie kalt und machtlos lebt man an solchen Tagen. Möcht einmal ein Donner krachend niederschlagen!] 10. Cym wint. Oi, wfis kensty zech nit shtiln, Wilder wint? Wemös zifcn, wemes krechcn Trügsty cind? Cy dy host gezamlt ale Zifcn fyn der weit, Yn dy wilst zej trugn, brengen Biz cy Gots gecelt? Yn dy wüst em dortn wekn, Shter'n em zän ry, Nor di shwarce dike wolkn Lozn dech nisht cy? Yn es brent dän wilder cor'n, Farwüs hot Fest farshlosn zech in himl Ynzer Got?! [An den Wind. — Warum hörst du nicht auf, du wilder Wind? Wessen Seufzer, wessen Stöhnen trägst du jetzt? — Hast du alle Seufzer dieser Welt gesammelt und willst sie jetzt in die Gezelte Gottes tragen? — Willst du ihn wecken, aus seiner Ruhe stören, doch die schwarzgeballten Wolken lassen dich nicht hin? — Und nun brennt dein wildes Zürnen: Warum hat sich unser Gott verschlossen fest im Himmel hoch?] 11. Shter'n. Lechtik ofn himl Glancn ale shtör'n — O, zej zänen weltn, Wil men ynz derkler'n.

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