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Die Freistatt · 1913-06-15 · Heft 3 (15.6.1913) · p. Seite 199

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 3 (15.6.1913)
Article
Opposition u[nd] Gleichgültigkeit
Date
1913-06-15
Page
Seite 199 (sequence 2)
Language
German
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198 Vom jüdischen Leben und Schaffen. hängern die jüdische Frage entstellt, zu widerlegen Wir geben heute einen Auszug aus einem Aufsatz: „Opposition und Gleichgültigkeit*, den D r. E1 i a s c h o w, einer der hervorragendsten ostjüdischen Kulturpolitiker, Mitte Mai im „Frejnt* veröffentlichte. Dr. Eliaschow geht von der Tatsache aus, daß man sich im Zionismus nur um die laue Kritik der unbedeutenden, innern Opposition kümmert, sich aber mit der viel wertvolleren Kritik der Ueberzionisten, derer, die aus entwickelter Jüdischkeit den Zionismus ablehnen, niemals auseinandersetzt. Er fährt dann fort; »Die Schreiber der „Welt" wissen es nicht, oder wollen es nicht wissen, daß Dank ihrer Arbeit das Interesse am Zionismus erloschen ist in einem solchen Masse, dass sich eine wirkliche Opposition gar nicht mehr bilden mag. Hier in Russland, wo die „Brüder von Osten* wohnen und wo sich laut dem zionistischen Glaubensartikel die Grundsteine für die Verwirklichung der Idee befinden, hat man jegliche Lust verloren, sich mit dem Zionismus zu befassen. Denn mit der größten Blindheit verletzte der offizielle Zionismus die Interessen der „Brüder von Osten*. Er zerriß die Fäden, die ihn mit der jüdischen Demokratie und der Intelligenz hätten verbinden können, als diese daran gingen, in Rußland ein jüdisches Leben zu schaffen, ein nationalen Geist atmendes Milieu, eine Literatur, ein stolzes, selbstbewußtes Judentum und einen freien Plan, auf dem die jüdische Persönlichkeit leben und sich entfalten kann. Dies hat sich nicht nur darin gezeigt, daß die Zionisten keinen Anteil nahmen an dieser Arbeit für die nationale Wiedergeburt Es war schlimmer: sie haben mit aller Kraft diese Arbeit zu hindern und zu stören gesucht. Der offizielle Zionismus hat einen Bann gelegt auf die jiddische Sprache, und verwarf die jiddisch istische Bewegung, kurz alles, was innigst verbunden ist mit dem Leben und der Zukunft des jüdischen Volkes. Da ist es noch gut, wenn man be uns dem Zionismus gegenüber Gleichgültigkeit bezeugt; verdient hätte er es, daß wir ihn hassen. Bei uns aber ist man ganz ruhig. Einen Starken haßt man; aber was soll der Zorn gegenüber dem Schwachen?" M. Barnaftali. Wie lange noch? Wenn man will, kann man das ganze Judenelend aus einer merkwürdigen Teilung der Gewalten innerhalb der Judenheit erklären: Auf der einen Seite die, deren Judentum ein Loch hat, durch das Almosen fallen, auf der andern Seite diejenigen, deren heiles Judentum die Almosen der anderen zu durchlöchern drohen. Musterbeispiel: Die Ica und die Emigration, Millionen Juden sind in den letzten Jahrzehnten aus Rußland ausgewandert. Hierhin, dorthin, in alle Welt. Tausende und aber Tausende fuhren ins Verderben, Hunderttausende ins Elend. Tausende und aber Tausende bezeugen in trostloser Einsamkeit die Notwendigkeit jüdischen Zusammenlebens für den Bestand jüdischer Kultur. Hunderttausende wieder sehnen sich aus trostlosen Zusammenpferchungen nach leiblichem und seelischem Gedeihen» Und diesem Schauspiele gegenüber — dessen tragische Farben nur durch die jüdische Zähigkeit gemildert werden — lange Zeit nirgends ein Planbedürfnis, geschweige ein Plan! Nichts als der gleichmäßige Trott der Wohltäterseelen, für die die Emigration nichts anderes ist, als ein etwas außergewöhlich großer Haufen von Einzelfällen. Nichts als die Ica, die reiche

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