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Die Freistatt · 1913-06-15 · Heft 3 (15.6.1913) · p. Seite 196

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 3 (15.6.1913)
Article
[Rezension]
Date
1913-06-15
Page
Seite 196 (sequence 2)
Language
German
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Vom jüdischen Leben und Schaffen. 195 jene Synthese zwischen Europäertum und Jüdischkeit verspüren, die sich im Osten längst angebahnt hat. Die künstlerischen Beiträge können jeder europäischen Revue zur Ehre gereichen» Die Schriftleitung der neuen Revue, die monatlich als 10 Bogen starker Band herauskommt, liegt in den Händen des bekannten Kritikers Niger- Tschorny. F. M, K. Vom jüdischen Leben und Schaffen. Der Boykott des Jiddischen. Ein Protest Seit einem Jahrzehnt ist in Deutschland gegenüber der jiddischen Sprache und Literatur eine Art geistigen Piratentums am Werk; wagen es deutsche Verleger, Dichtungen» die in jiddischer Sprache geschrieben sind und alle starke, farbige Eigenart dieser Sprache atmen als deutsche Originale auf den Markt zu werfen. Wagen es, ohne daß sich bisher ein Protest erhob. Es kam so weit, daß die Kritik Schülern Asch in seinen letzten Werken einen trefflichen deutschen Stil nachrühmt; daß selbst der Jüdische Verlag, ohne daß ihm das unsre Familienblätter übelnahmen, Asch und Gorelik wie deutsche Originale druckte. Nun möchte ich einmal das Geschrei hören und den mannhaften Protest, wenn S. Fischer sich erlauben würde, dem Hebräischen so aufzuspielen wie dem Jiddischen und einen deutschen Bialyk uns in dieser Weise bescherte. — Beim Jiddischen haben sie alle geschwiegen, „Assimilanten* wie „Zionisten\ Es paßte ja der Protest so wenig in den Parteikram. Und charakteristisch ist es, daß es keinem der zahlreichen ostjüdischen Literaten, die heute als deutsche Schriftsteller wirken, eingefallen ist, auf derartige Tatsachenfälschung hinzuweisen. Es scheint ihnen also wohl beim Jiddischen nicht der Mühe verlohnt zu haben. „Ehrenrettung für das Gemauschel* — das wäre ein ungeschicktes Sensatiönchen gewesen. Also schwieg man. Wir aber protestieren gegen diese Art des Boykotts mit aller Schärfe und Deutlichkeit Wir erklären es eines deutschen Verlegers für unwürdig, derart die Ignoranz des (deutsch-jüdischen?) Publikums in jüdischen Dingen auszunutzen, und dieses Publikum irrezuführen. Wir hoffen, es werden sich vor allen die ostjüdischen Schriftsteller diesem Protest anschließen und uns darin unterstützen, wenn wir solch unverantwortliche Buchhändlergewohnheit an den Pranger stellen. Pinkus Barben Gegen die Störenfriede. Bei der feierlichen Grundsteinlegung eines ostjüdischen Bet-, Lehr- und Vereinshauses in Paris glänzte das offizielle französische Judentum durch seine Abwesenheit. Auch nicht ein einziger französischer Rabbiner war erschienen. Selbst die konservativen fehlten. So stark wirkte die Einschüchterung von „oben*. Wen das etwas sonderbar anmuten sollte, mag sich beruhigen. Die Geschichte hat ein deutsches Analogon:

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