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Die Freistatt · 1913-06-15 · Heft 3 (15.6.1913) · p. Seite 195

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 3 (15.6.1913)
Article
[Rezension]
Date
1913-06-15
Page
Seite 195 (sequence 2)
Language
German
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194 Bücherbesprechungen Bedenkt man diese Bedingungen, unter denen der Jüdische Verlag zu arbeiten gezwungen ist, so kann man der Tätigkeit, die er seit der letzten Zeit entfaltet, die Anerkennung nicht versagen. Gewiß, die Troika Perez- Asch-Gorelik, die er vor kurzem herausfahren ließ, ist ein seltsam ungleichmäßiges Gespann, und man fragt sich, wie Goreliks sentimentale, ins Journalistische abfallende Geschichten da hineingeraten sind. Aber der eine Perezband, von Birnbaum mustergültig umgedichtet, wiegt diesen Mißgriff reichlich auf. Der westliche Leser, der neben diese Uebersetzung das durch den Buchhandel leicht erhältliche jiddische Original legt, kann gerade durch dieses Buch in eine starke innere Beziehung zu ostjüdischem Wesen kommen. Diesen Geschichten gegenüber haben Asch's Reiseskizzen mehr einen Tageswert; aber sie sind scharf gesehen, und man sollte sie sehr aufmerksam lesen. Stellen wie die, wo auf dem Schiff die jungen zionistischen Heißsporne von den alten Juden Abschied nehmen, haben fast einen symbolischen Charakter. Schmerzhaft aber empfinden wir bei diesen Bändchen das Fehlen einer interpretierenden Einleitung. Damit begibt sich der Verleger jeder tiefreichenden Wirkung auf den Leserkreis, werden die Bücher vom alten Stamm dem Westen zu unverständlichen, aus dem Kulturzusammenhang herausgerissenen Bruchstücken. Das ist ein Rückschritt gegenüber den alten Uebersetzungen des J. V., ganz besonders gegen die von Birnbaum vortrefflich eingeleitete Ausgabe der ausgewählten Geschichten des Perez. Wir hoffen, daß die bereits angekündigte Ausgabe Scholem - Alejchemscher Erzählungen diesen Mangel nicht mehr aufweist. Außer diesen Bändchen hat der Jüdische Verlag den I. Band der ausgewählten Schriften Achad Haams wieder aufgelegt. Zwar besteht die Gefahr, daß dieser Band unseren Zionisten kritiklos, wie sie zu den Tagesgötzen der Partei beten, zur Kulturbibel wird, und daß die Achad Haam eigentümliche an Verachtung streifende Geringschätzung der Volksmassen und der Volksschöpfungen dem Snobismus unserer Kleinbürger neue Nahrung zuführen könne. Das ist aber immer noch ungefährlicher und wünschenswerter, als daß der Westen weiter auf Max Nordaus zionistische Schriften schwört. Darum halten wir die Neuauflage für verdienstvoll. —a— Die jidgshg weit. (Die jüdische Welt, eine Monatsschrift für Kultur, Politik und Kunst.) Herausgegeben und verlegt bei Kletzkin, WHna. Aus dieser neuerstandenen Monatsschrift spürt man den gewaltigen Lebensstrom, der trotz allen äußeren Bedrückungen das jüdische Leben in Rußland durchzieht. Die Tatsache allein, daß im Osten schon eine Intelligenz da ist, reif genug für eine derart vornehme, sachliche Revue, für solch reife und überlegene Erörterungen jüdischer Gegenwartsprobleme, zeigt den klaffenden Unterschied zwischen Ost und West. Wie lange wird es dauern, bis die westjüdische Intelligenz ihre Phantastereien aufgibt, und zu jüdischer Gegenwartsarbeit bereit istl Ich halte diese Revue für eine der besten Quellen, aus denen der Westjude sich über das neue Leben im Osten informieren kann. Ganz besonders unseren Studenten empfehle ich, es einmal mit dieser Lektüre zu versuchen. Sie ist mehr als ein Gegengift gegen geisttötende Parteiweisheit. Sie zeigt die jiddische Publizistik auf einer hohen Stufe von Schönheit und Eigenart der Sprache und des Gedankens, und läßt

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