Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 3 (15.6.1913)
- Article
- Di alije͏̈
- Date
- 1913-06-15
- Page
- Seite 192 (sequence 2)
- Language
- German
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Jiddische Dichtung III, Jehojesch 191 Er preplt „Ma-tojwy* yn efnt di shyltir, Doch git er zech plycling a chap, Fargesn in älönesh hot er cy g6bn Drä mül in di tir'n a klap. Yn koum hot er iber der shwel nor ggtrStn, Er ken shojn nit gejn mer cyrik, A machne fyn mejsem, in kitl'n farwiklt, Cyshrokn derz6n hot zän blik. Dan hert er fyn bime zän jideshn nümen: „Jamojd reb Shaltijel chazak." Es brechn di fis ein, der mojech em shwindlt In harcn em w6rt nit geshmak. Es ryfn di mejsem yn ejner derlangt 6m A kitl, er wejst gür nit w6r, Me lejönt yn lejent em fir in der finster Biz s hert shojn der shames nit mer» Wen shp&er in shyl iz der minjen gekymgn Der alter hot mit nit derwacht Di mejsem mit zejer alije baginen Em hobn di ojgn farmacht. [Der Aufruf zur Thora. — Die Sterne schwinden, der Morgen sproßt auf, der Osten wird grau. Der Schammes (Synagogendiener) geht schon zum Gebete, die Schlüssel der Schul (Synagoge) in der Hand. — Er brummt das Gebet und öffnet die Tür, doch plötzlich fährt er zurück, In der Eile vergaß er, dreimal an die Türen zu pochen. — Er hat die Schwelle betreten und kann nicht mehr zurück. Die Schar der Toten, in Leichenkittel gehüllt, sieht sein erschrockener Blick. — Er hört von Almemor seinen Namen ertönen: BReb Schealtiel trete heran!" Er wankt, es packt ihm der Schwindel, im Herzen wird's ihm schlecht. — Es rufen die Toten. Einer reicht ihm einen Kittel. Man liest ihm im Dunkel vor, bis er nicht weiter hört. — Als man in die Schul kam, erwachte der Alte nicht Wieden Die Toten hatten ihm mit ihrer Morgenalije die Augen geschlossen.] 9. Dös lectS wort. Ech mish di bleter yn ech mish, A weit mit mejsem start mech ün. Zügt, barmenens farkriplte, Zügt, waksng6le penemer Wüs wilt ir, ech zol ton? Ech mish di bleter yn ech mish, Mech nemt arym dem kejwers groul. Zügt, finstere, fargliwerte, Mit ojgn halbfarshlosgne Mit wildcyshprejtn moul. Wüs iz gewen düs lecte wort, WÜs hot of äer cyng gebrent, Wüs iz gewen der lecter wynsh, WÜs ir hot ousdrikn gewolt Yn hot nit mdf gekent? Ci ligt a klüle nit derflycht In äerg farkricte cejn? Ci hot ir fyn a shpetn dor Neküme chorchl'ndik farlangt Far äer tojt gfcbejn? — Ech mish di bleter yn ech mish Yn plyclyng dacht mir, wi ech hGr; „Zej hot fyn moul kejn wort fyn flych Kejn rachßryf arousgöprest Fyn taljgn düs g£w£r. Düs wort, düs nit derredte wort Gew&zn iz a shlachtgeshrej; Nit lozt di arböt in der helft Nit lozt dem kamt in miin shtejn, Nor kemft yn falt wi zej!" [Das letzte Wort. Ich blättere und blättere. Die Welt der Toten starrt mich an. Ihr Leichen, ihr verstümmelten! Gesichter, gelb wie Wachs! O sagt, was wollt ihr, soll ich tun? — Ich blättere und blättere. Des Grabes Grausen hüllt mich ein. Ihr Finstern, ihr Erstarrten, mit Augen, halbgeschlossen nur, mit wildem, auf-