Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 2 (15.5.1913)
- Article
- Für Mathias Acher
- Date
- 1913-05-15
- Page
- Seite 133 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Leben und Schaffen. 133 im westjüdischen Schrifttum eine andere wäre, Von einer Presse aber, die über ein Jahrzehnt bereits das Wollen und Schaffen Achers totschweigt oder entstellt, ist nicht zu erwarten, dass sie dieser leichtfertigen Antithese Caesar Herzl — Pompeius Acherwidersprechen wird. — — Wer von Theodor Herzrs Persönlichkeit nichts weiss, soll nicht über ihn schreiben, weder zum Bösen noch zum Guten, soll ihm nicht Dinge zuschreiben, an denen Herzl mehr als unschuldig ist, „Der grosse Zug, der in die früher enge und oft kleinliche Jargondichtung getragen wurde, die freiere Luft, die in dem früher so trostlos unfruchtbaren Parteiengezänke im Judentum zu wehen beginnt, sind uns von Herzl gekommen". Wem denn, uns? Den Westjuden? Oder gar den Ostjuden? — Die werden sich über Hermanns Konstruktion an den Kopf fassen. Woher weiss denn Hermann, Wiedas jüdische Volk über Herzl denkt? Und erst, wie es über Acher denkt? Aber er meint ja gar nicht das Volk, — er meint die Zionisten von Prag, Wien und Berlin. Und nur denen kann er einen so ungeheuerlichen Satz hinschreiben: „Mathias Acher, der immer Recht behält, hat unrecht bekommen*. Er sage mir, wann jemals Acher im Zionismus Recht behielt? Wann er überhaupt zu Worte kam? Wann sich die zionistischen Theoretiker mit seiner Kritik und seinen Forderungen auseinandersetzten, oder gar die Jugend sich zu ihm bekannte? Aber anderswo hat Acher Recht behalten, — im Volke, von dem Hermann so schön redet und so wenig weiss. Da dringen Achers Ideen stärker und stärker ein, und wenn sich heute eine wachsende Schar ostjüdischer Intellektueller von individualistischen Spielereien und dem Missbrauch, unverstandene absolute Sätze auf harte mühsame Kulturarbeit anzuwenden, freimacht und zum Volke, zu dem ganzen Elend unserer Verbannung ein hartes Ja sagt, dann ist es zwar nicht Acher, der dies Ägeschaffenu> aber er ist der grosse und geliebte Wegweiser dieser Jugend. Und nicht dies ist Achers Tragik, „dass er keinen Dank und keine Anerkennung findet**. Es gibt keinen Grossen, dem es anders erging. — Sondern das Tragische liegt in dem, „was diese Zeit zu einer so erbärmlichen, über alle Erbärmlichkeiten hinaus macht*, darin, dass jeder Grosse für seine Zeit ein Zufrühgeborener ist. Dass ihre geschäftige, vielgewandte, schöne Worte drehende Intelligenz zu klein ist, zu sehr am Irdischen haftet, als dass sie das Volk und die, die seine Schönheit verkörpern, erleben könnte, M. Barnaftalt. Die Monatsschau über „das ökonomische Leben* sowie die Bücherbesprechungen mußten aus Raummangel für das 3. Heft zurückgestellt werden.