Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 2 (15.5.1913)
- Article
- Chet's Töchter
- Date
- 1913-05-15
- Page
- Seite 118 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Verse Wenn aber, mein Sohn, mein Sohn, Sie schamlos nächtliche Nacktheit Traumschwerem Schlaf entgegentragen, Frech schmiegen fremdem Blute Den myrrhentriefenden Leib: Schwängernd sie, mein Sohn, Verzehr ihres gierigen Verlangens Glutkraft, Dass am Morgen sie Dolchesblitzen Die matte Brust freudig entgegenheben. Ludwig Strauss: Dem Geist des Volkes. i Horcht, Ihr Zerstreuten, die Stimme ward wach, die Rufende hinter den Meeren, Des Geistes, des Ewigen Ruf, sein Haus zu türmen; sie schwebt im Sturme, grade, dem Adler gleich. Mein Lied ist wie das Lied der Maurer, die auf den Gerüsten stehen, Singend zwischen den Schlägen der Hämmer, denn im Herzen, wenn das Werk reift, Muß etwas süß sein wie der Gesang, ein Gruß nach dir. Denn so ist es gut zu schaffen. II Wie könnte ich Dein vergessen, Zion, und Deine Stimme tilgen in meinem Herzen, Meine Ohren pressen wie ein schreiendes Kind, mich selbst nicht zu hören? Ein Gewand zieht man aus und ein anderes an, und Sitten und Rede wechseln Gleich Wellen im Fluß, aber die Ufer stehen sehr fest, denn Juda ist härter als Felsen. Tausendmal um die große Sonne kreiste die Erde, und abertausendmal. Tag auf Nacht, Winter auf Sommer War ich Dir ferne, Zion, auf den Straßen unter den Völkern, aber der Geist mit, Ein anderer Himmel über den Dingen, welche ich ansah, und Dein ward, was ich berührte, Und alle Früchte, die ich pflückte, wie gereift unter Deiner Sonne. Portraits junger Jüdinnen* I Ich rufe in die Welt So wie in einen Wald, und in das Hallen meiner Slimme hallt Ein Echo schwebend hell.