Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (April 1913)
- Article
- Ein Aufruf für Else Lasker-Schüler
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 69 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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69 Die Dichterin Else-Lasker-Schüler lebt in schwerer materieller Bedrängnis. Ihre Sorge um die Notwendigkeiten des Tages ist jetzt so ernst geworden, daß der unterzeichnete Kreis der Freunde und Verehrer sich verpflichtet fühlt, mit der dringenden Bitte um Unterstützung an alle jene heranzutreten, bei denen er Verständnis für das dem Geschmack der Zeit noch entrückte Werk der Dichterin und darum auch Teilnahme an ihrer Lebenssorge voraussetzt. Die Geldgeschenke — auch kleine sind willkommen — bitten wir mit der Bezeichnung »Für Else-Lasker-Schüler« an die Adresse des Herrn k. k. Universitätsprofessors Dr. Walter Otto, Wien XIX, Gebhardgasse 1, gelangen zu lassen. Mit dem Ergebnis der Sammlung wird der Dichtern eine Namenliste der Geber überreicht werden. Paultne Fürstin zu Wied. Selma Lagerlöf. Richard DehmeL Karl Kraus. Adolf Loos. Helene Fürstin Loutzo. Karin Michaelis, Peter Nansen. Walter Otto. Arnold Schönberg* Für Else-Lasker-Schüler mußte eine Geldsammlung veranstaltet werden. Gerade für die Nationaljuden wäre es Pflicht, die ebenso bedeutende wie unbekannte Dichterin zu unterstützen. Die Beschäftigung mit wirklicher Dichtung, die vielleicht nicht dem Willen aber dem Wesen nach judisch ist, wäre ein gutes Gegengift gegen die üble Hurrahlyrik in unseren Reihen. Auch bei künstlerischer Arbeit äußert sich das Nationale am echtesten, wo es sich am unwillkürlichsten äußert: in der formalen Eigenart. Und Else- Lasker-Schüler, vielleicht gleichgültig gegenüber den politischen Ideen des modernen Nationaljudentums, schafft nationale Dichtung in höherem Sinne als mancher Gesinnungstüchtige, der fleißig Seine treue Leier abrackert. Hier sei vor allem empfohlen ihr lyrisches Hauptwerk: Meine Wunder, Karlsruhe, Dreililienverlag. L. St