Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (April 1913)
- Article
- Das jüdische Studentenparlament in Zürich
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 64 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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64 nicht in eigene Hand nehmen kann, weil und solange die Intelligenz nicht eins, nicht weseneins mit ihr ist - ♦ ♦ , Wenn diese Intelligenz bedächte, dass man kein guter und treuer Berater des Volkes sein kann und darf, solange man, wenn auch mit einem gesicherten jüdischen Parteiprogramm und ohne Geld, doch vom selben Holz ist wie etwa irgend ein hochfahrender, naseweiser englisch-jüdischer Baronet mit einigen Millionen und ohne Spur von einem Parteiprogramm.....Ja, wenn sie das alles wüsste und bedächte und Uber sich und mit sich ins Reine käme , * . ♦ Oder stehen wir vielleicht gar doch am Anfange solcher Selbsbesinnung? Wer sieb die soeben in Zürich stattgehabte Konferenz der ostjüdischen Studentenvereine in Westeuropa angesehen hat, wäre fast versucht, es zu hoffen. Zumindest mit Bezug auf die ostjüdischen Studenten, die es ja auch weit mehr als die westjüdischen in ihrer Gewalt haben, aus neuen Erkenntnissen und Empfindungen lebensvolle Folgerungen zu ziehen. Die Glücklichen, für die es noch ein vollblütiges jüdisches Volk gibt, zu dem sie — wenn sie nur nicht schon zu weit weg waren — wieder zurückkehren, in das sie sich wieder einleben können 1 Eine besonders angenehme Enttäuschung bereitete allen, die der interessanten Tagung beiwohnten, die lückenlose parlamen tarische Ordnung, die da waltete, und die Selbstbeherrschung, mit der man die persönlichen Meinungen und Liebhabereien zugunsten der Sache zurückstellte. Doch unvergleichlich höher als diese Errungenschaften ist die auf der Konferenz zutage getretene einfache, gelebte, und nicht deklamierte Jüdischkeit zu bewerten. Was noch vor wenigen Jahren als unmöglich erschienen wäre, hier ward es selbstverständliches Ereignis : Ein Studentenparlament, das alle; seine Beratungen in jüdischer Sprache führt und in dieser seine Beschlüsse fasst (übrigens mit voller Zustimmung der „Hebraisten", die etwa ein Drittel der Versammlung ausmachten und ihrerseits viel Entgegenkommen fanden) Und nicht nur die Sprache, die ganze Stimmung war eine jüdische, eine jüdisch-lebendige, eine jüdisch-heimische. Man fühlte das Hinausgreifen warmer jüdischer Tatsächlichkeit in eine unbekannte Zukunft. Und dies umso starkem je mehr sich die Debatten und Beschlüsse an sachliche und bescheidene Ziele kultureller und ökonomischer Natur hielten* Dreissig Jahre warten wir schon auf den Studenten, der nicht bloss ein Jüdischnationaler, sondern ein Jude sein solL Er wollte nicht kommen. Und nun haben wir ihn endlich in Zürich gesehen. Das haben wir doch noch erlebt panta Das jüdische Volkslied. An sich ist es ein Fortschritt und nur anzuerkennen, dass der Jüdische Verlag damit beginnt, Oestier über wichtige