Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (April 1913)
- Article
- Zynuntergang [Sonnenuntergang]
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 61 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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61 Erde Die runde flammende Sonne stirbt mählig dahin. — Der Himmel hat ihre Totenbahre mit Kerzen umstellt, am ganzen Westen erglühen die Flammen. — Im hohen Grase flüstert der Wind, verzagt und schwach. Nach der großen Sonne sagt er Kaddisch in der Sprache der Abendwinde ] B. Lapin. V S klapt der alter osjen Ymetig in tir, Ungeklejdt in trouer Kymt er ict far mir. Wus westy dercejln Bejzer osjenwint? Wernen brengsty grysn Azoj shpet acind? Wemen wet derfrejen Ict dän kalter grys? Hot derch dir man libste Mir geshikt a kysh? — Ch hob acind kejn grysn Kejnem nit gebracht. Ch bin gekymen ryfn Dech in osjennacht . . . Loz of gich dän shtibl Kym geshwind mit mir! S gojset dort dan libste, AI, zi wart of dir .... [B . Lapin, — %* ~~ Es klopft der alte Herbst melancholisch an die Tür, er kommt in Trauer gehüllt jetzt zu mir - Was hast du mir zu künden, böser Herbstwind? Wem bringst so spät du Grüße? ~- Wen soll jetzt dein kalter Gruß erfreuen? Hat meine Liebste mir einen Kuß durch dich gesandt? — Niemandem habe ich Grüße gebracht, ich kam, um dich zu rufen, hinaus in die Herbstnacht. — Schnell, verlaß dein Zimmer und komm geschwind mit mir 1 Deine Liebste stirbt, eile, sie erwartet dich . . . ] Jicchek Lejbysh Perec. %* Of dan balkon hengen mäne ojgn, Zej zen dech nisht. S welkn dort blymen, di tir iz geshlosn Di shoubn farwisht . . ♦ Wi a fojgl fiit aryf man neshüme Yn shlügt zech dort cwishn di äzn . . Shtiierhejt klapt zi ba dir in di shoubn Dy wilst dech nisht wäzn . . . , Dan flit zi cyrik, bang yn dershrokn Dershlugn yn mid; Yn in dem krankn harc hejbt un klingen Düs trourike lid! [Isaak Leib Perez. — %* — An deinem Balkon hängen meine Augen, sie sehen dich nicht, Blumen welken dort, die Tür ist geschlossen, die Scheiben verstaubt. Wie ein Vogel fliegt meine Seele hinauf und stößt sich dort an den Eisen # . > . Ganz still klopft sie an deine Scheiben, du willst nicht erscheinen. Dann fliegt sie zurück, bang und erschrocken, matt und müde. Und in meinem kranken Herzen beginnt das Trauerlied zu klingen ] Awrum Rejzn Di starbndige zyn. Zet, di zyn fargejt, Och, wi zi iz rojt Rojt in blyt gefärbt Zet, wi shejn zi shtarbt. Yn der alter wald arym Bejgt zech gotsforchtik ynshtym Sheptshet: Bald iz shojn ir end Wus hot zi azoj gebrent? [Abraham Reisen. — Die sterbende Sonne* — Seht, die Sonne schwindet. O, wie rot sie ist I Blutigrot ihr Schein! Seht,